Aus unserer Not mit den Menschenrechten wächst unsere Vorstellung einer Kultur ohne Unterdrückung

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Aus unserer Not mit den Menschenrechten

wächst unsere Vorstellung einer Kultur ohne Unterdrückung

 

Ich höre, sie (d.h. die Menschen) nennen das Leben die einzige Zuflucht”, schrieb Paul Celan in einem seiner Gedichte, nachdem er, anders als viele seiner ihm Nahestehenden, die extreme Lebensbedrohung überlebt hatte, wenngleich nur für einige Jahre, bis er die aufgebürdete innere Last nicht mehr ertrug. Ist das Leben nicht die ständige Sehnsucht nach Zuflucht, deren Erfüllung die Zustimmung zum Wert des eigenen Lebens, zur Entfaltung der eigenen schöpferischen Kräfte wie zur Unterstützung der Sehnsuchtserfüllung anderer Menschen ermöglichen würde? Wie kann diese Sehnsucht erfüllt werden, ohne dass sie andere Menschen bedrängt und verdrängt, bestiehlt oder gar zerstört?

Diese Sehnsucht meint den Hunger nach einem guten, gelingenden Leben, nach Erfüllung aller wichtigen Grundbedürfnisse, unabhängig davon, wo ein Mensch lebt, welches seine/ihre Haut- und Augenfarbe ist, aus welchen Herkunfts- und Religionszusammenhängen er/sie geboren wurde und aufwuchs, unabhängig davon, welches sein/ihr Alter, nationaler Stempel oder gesellschaftlicher Platz sei? Der „Allgemeinen Deklaration der Menschenrechte“, die 1948 zustande kam, drei Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs, in welchem der gleiche Wert des menschlichen Lebens mit systematischer Brutalität aufgehoben und vernichtet wurde, lag die dringlich erforderte Anerkennung der Grundbedürfnisse des lebendigen Lebens zugrunde. Diese über Jahre fortgesetzte, auch von Wissenschaft und theoretischen Denkprodukten, von Medien, Schulen und Universitäten, von praktischer Jurisprudenz und Medizin, von Millionen von Männern und von Frauen unterstützte totale Entwertung und Tötung von Millionen von Kindern, Frauen und Männern war die entsetzliche Summierung von Theorien und Strategien menschlicher Entwertung und Vernichtung seit Jahrtausenden – immer Gegensatz zu gleichzeitig entstandenen anderen Theorien, in welchen die Unerträglichkeit menschlichen Leidens einen Ausdruck fand, in welchen auch Entwürfe und Regeln eines gesicherten Zusammenlebens vermittelt wurden, von der frühesten Antike bis in die Zeit, als die Menschenrechtserklärung als weltweite Äusserung der Unerträglichkeit von Machtmissbrauch, als globale Verpflichtung des Respekts jedes menschlichen Lebens festgehalten wurde.

Doch immer wieder war es so, wie Hofmannsthal schrieb, dass „das Wort, das gestern noch Zauberkraft besessen, heute kraftlos zu Boden fällt“. Viele dieser Worte, Versprechen, Gebote und Theorien waren ihm präsent – etwa John Locke, der im konfessionell gespaltenen, krisen- und krieggeschüttelten Europa des 17. Jahrhunderts die Umsetzung von „Toleranz“ als oberstes Gebot jedes liberalen Staates gefordert hatte, oder der ganze Fächer politischer Aufklärungstheorien, welche die Französische Revolution in Bewegung setzten, in welcher schnell klar wurde, dass es nicht um die gleichen Werte aller Menschen ging, sondern erneut um Machtkampf einzelner rücksichtsloser Männer, deren einziges Ziel darin bestand, die königlichen Machtstrukturen zu verändern, und so ging es weiter, in Hofmannsthal eigener Lebensgeschichte. Die innere Verzweiflung bewegte ihn so sehr, dass er an der Welt nicht mehr teilhaben mochte.

Die Welt wurde auch seit der Erklärung der Menschenrechte in keiner Weise sicherer. Auch die zeitbelastete, aufwühlende Dringlichkeit der „Deklaration“ mag von der Hoffnung getragen worden sein, dass endlich wichtige philosophische Erkenntnisse auf überzeugende Weise umgesetzt würden, dass, wenn sie aus der philosophischen Abstraktion gelöst und zu einem verpflichtenden Massstab aller staatlichen Gesetze und allen menschlichen Handelns deklariert würden, eine Umsetzung der Vielfalt der mit dem Menschsein verbundenen Grundbedürfnisse einleiten würden: des gleichen Rechts auf deren Erfüllung, so die von Immanuel Kant erkannte Wahrheit, dass jeder Mensch in seiner individuellen Besonderheit die ganze Menschheit repräsentiert.

Dies war tatsächlich das Ziel Menschenrechtserklärung: es ging um eine unmissverständliche, umfassende Deklaration der „menschlichen Würde“. Die Welt, die, wie Hannah Arendt schrieb, zur „Wüste“ geworden war, nicht nur in materieller, sondern auch in moralischer Hinsicht, sollte wieder für Menschen und durch Menschen bewohnbar werden. Doch Kriege und Ausbeutungsverhältnisse, Waffengewalt und Menschengewalt verringerten sich durch die Menschenrechtserklärung nicht, im Gegenteil.

Jährlich publiziert das UN-Menschenrechtszentrum in Genf eine erschreckende Statistik. In weit über hundert Staaten dieser Erde werden Gefangene gefoltert, in vielen davon systematisch. Widerliche Gewaltanwendung durch Polizeibeamte kommt auch in der Schweiz vor. Sogenannt „extralegale“ wie sogenannt „legale“ Hinrichtungen, etwa in den USA oder in China, gehen mit jahrelanger quälender Einzelhaft und extremen, zum Teil sogenannt „wissenschaftlichen“ Quälereien einher. Millionen von Menschen sitzen aus politischen Gründen ohne Anklage im Gefängnis. An die 50 Millionen Menschen sind wegen Krieg, Bürgerkrieg, ethnisch, rassistisch oder religiös motivierter Gewalt als Vertriebene und Flüchtlinge irgendwo unterwegs, werden aus Aufnahmestaaten wieder weitergeschoben, weiterdeportiert, in die Herkunftsländer zurückgeschafft, in denen sie nicht leben können, Menschen, die selber missbraucht und gequält wurden, denen durch andere Menschen brutalste Gewalt angetan wurde, die nächststehende Menschen durch brutale Tötung verloren haben. Ganze Lebensgeschichten wurden zerstört, auch alle damit verbundenen kulturellen und materiellen Spuren. Erschöpft und verängstigt gelangen Überlebende in angrenzende und in weiter entfernte Länder, in denen sie hoffen, zur Ruhe zu kommen und irgendwie vom schweren Leiden zu genesen. Doch die meisten von ihnen werden aus diesen Ländern erneut abgewiesen und ausgewiesen, ob sie dazu in der Lage seien oder nicht. Die Ausschaffung psychisch schwer leidender, verzweifelter Asylsuchender ist, wie dies in der offiziellen Schweiz erklärt wird, mit demokratischer Rechtsstaatlichkeit verträglich.

Auch Marx’s Kapitalismuskritik hatte sich auf den „Praktischen Imperativ“ abgestützt. Es ging Marx um die Kritik der „Verknechtung“ oder „Versklavung“ der Menschen unter die Ware und den Warengewinn. „Innerhalb des kapitalistischen Systems schlagen alle Mittel zur Entwicklung der Produktion um in Beherrschungs- und Exploitationsmittel des Produzenten, verstümmeln den Arbeiter zum Teilmenschen, entwürdigen ihn zum Anhängsel der Maschine“ hielt Marx im „Kapital“ fest. Das hat sich bis heute nicht verändert, im Gegenteil. Menschen sind heute „Anhängsel“ der Computer. Das, was für die Industrialisierung in der ersten Zeit des Kapitalismus galt, gilt in vermehrtem Mass auch für die Digitalisierung in der heutigen Zeit der uneingeschränkten Herrschaft der Finanzmärkte: Menschen werden allein nach deren Massgabe für nützlich und brauchbar – oder für wertlos erklärt.

Als unheilvolle Tatsache muss die Umsetzung von Theorien in absolutistische Macht-, Beherrschungs- und Destruktionsstrukturen erkannt werden. Allerdings ist die totalitär kommunistische Ausnützung von Karl Marx’s Werk wie die absolutistische Kapitalismusbeherrschung der Welt nicht die einzige verhängnisvolle Geschichte; jede Religion wurde zur ethnizistischen Begründung brutalster destruktiver Gewalt gegenüber Menschen benutzt, die durch eine andere Religionszugehörigkeit als wertlos erklärt wurden. Der gesamte, grauenvolle ex-Jugoslawienkrieg, der noch so nahe ist wie der gestrige Tag, auch die sich fortsetzenden Israel-Palästina-Kriege sind eng damit verknüpft.

Neben den ethnizistisch und nationalistisch begründeten destruktiven Verletzungen menschlichen Lebenswertes breiteten sich in derselben Zeit wirtschaftsbedingte Entwertungsstrukturen in jedem Staat aus, als Auswirkung globalen Machtmissbrauchs. Eine zunehmende Anzahl grösserer und kleinerer Unternehmen wurden/werden rationalisiert, fusioniert und restrukturiert, selten infolge tatsächlicher wirtschaftlicher Notlagen zu Gunsten der dort arbeitenden Menschen, zumeist zum Zweck einer maximalen Steigerung des shareholder-Mehrwerts sowie einer maximalen Verringerung der sog. Humankosten. Zu Abertausenden wurden/werden Menschen entlassen, für überflüssig und für unnütz erklärt, wie störendes Material.

Die Frage ist, wie es kommt, dass sich Menschen auch in unserer Zeit zur brutalen Gewalt gegenüber anderen Menschen verführen lassen, warum sich seit der Deklaration der Menschenrechte das Bewusstsein des Unrechts nicht verändert hat. Warum auch in demokratischen nationalen Strukturen –wie hier in der Schweiz – staatliche Gesetze schwerwiegende Menschenrechtsverletzungen legitimieren. Die Schweiz ist bekannterweise noch immer nicht Mitglied der UNO, hat aber nach grossen Widerständen einige der Pakte ratifiziert, etwa 1994, mit einer hauchdünnen Mehrheit, das 1966 geschaffene Internationale Übereinkommen zur Beseitigung jeder Form von Rassendiskriminierung. Obwohl nun die sog. Antirassismusnorm sowohl in der Verfassung wie im Strafgesetz verankert ist, erfolgt kaum eine offizielle Ahndung rassistischer Delikte. Oder das Übereinkommen über die Rechts des Kindes von 1989 wurde erst vor wenigen Jahren ratifiziert. Andere Pakte, zum Beispiel den sog. „Sozialpakt“ von 1966, hat die Schweiz noch immer nicht ratifiziert. Was bedeutet die zögerliche, ja ablehnende Haltung der Schweiz den Menschenrechtsabkommen gegenüber? Was braucht es generell, damit die von den meisten Staaten unterschriebene Menschenrechtserklärung zum Massstab der politischen, wirtschaftlichen und zwischenmenschlichen Entscheide wird?

Die überall aufkeimende und mit extremer Gewalt durchgesetzte Ethnisierung ist eine der gefährlichsten Gegenbewegungen zum friedlichen Kampf um eine universale Umsetzung der Menschenrechte. Klingt in den Slogans von Rechtsaussen, die „Schweiz gehöre den Schweizern“ nicht viel davon mit? Wie kann der weit verbreiteten Angst um den Verlust des herkömmlichen Eigenen in Kultur und Tradition entgegengewirkt werden, ohne dass sich neue Feindbilder, Ausgrenzungen, ja blutige Vernichtungsaktionen der Anderen durchsetzen? Was lässt sich auf der Ebene des Zusammenlebens im Kleinen tun? Kritische Urteilskraft aufbauen, Skepsis jeder Macht gegenüber, Propaganda hinterfragen, Vorstellungskraft trainieren, d.h. sich an Stelle derjenigen Menschen setzen, um die es beim Abbau und bei der Verleugnung von Rechten geht, somit Koalitionen eingehen mit Menschen, die ebenfalls für eine tatsächliche Umsetzung der Menschenrechte kämpfen, vor allem für das Recht, als Mensch verschieden zu sein und trotzdem den gleichen Anspruch auf ein gutes, angstfreies Leben zu haben, auf ein Leben, in welchem Persönlichkeitsrechte, Sozialrechte, politische Mitbestimmungsrechte nicht bedroht sind, kurz ein würdiges Leben leben zu können.

Wichtig ist, dem in allen Bereichen wachsenden Widerstand gegen Machtmissbrauch die Bedeutung der Allgemeine Menschenrechtserklärung als stärkenden Beistand, als Hoffnung auf die Realisierung eines besseren Lebens präsent zu erhalten. So beim Kampf der Arbeitslosen gegen die wirtschaftlichen Massnahmen, gegen die Unerträglichkeit der Entlassungen und Entwertungen, so beim Widerstand rechtloser Asylsuchender gegen Auschaffung und erneute politische Gefährdung. Ein Beispiel: als der Bundesrat vor zwei Jahren bosnische Jugendlicher sowie alleinerziehende Frauen und Kinder auswies, lehnte sich eine Gruppe von ihnen gegen die „erneute Deportation“, wie sie schrieben, auf. Sie wollten nicht länger Objekte machtpolitischer Fremdbestimmung sein, sondern ihr Leben und das ihrer Kinder nach Massgabe ihrer grundlegenden Bedürfnisse selber gestalten.

Auch entwertete oder gar entrechtete Menschen können eine bessere Realität erreichen, wenn ihr Widerstand von politisch einflussreichen Menschen mitgetragen und gestützt wird. Es handelt sich beim Kampf um die Erfüllung wichtiger Grundbedürfnisse innerhalb demokratischer Rechtsstrukturen um mehr als um eine subjektive Empfindung der Unerträglichkeit deren Verletzung. Was Machtinstanzen asylsuchenden oder wirtschaftsabhängigen Menschen antun, bedeutet tatsächlich eine Verletzung des grundlegenden ethischen Gebots, das der Menschenrechtserklärung zugrunde liegt. Denn der von Kant formulierte sog. „praktische Imperativ“ hält fest, dass „kein Mensch zu einem ihm fremden Zweck missbraucht werden darf“ – weder zu fundamentalistisch politischen, eventuell auch religiös begründeten Zwecken noch zu Gewinnmaximierungszwecken.

Überall in der Welt, nicht nur in der Schweiz, entstehen Bewegungen gegen das Unrecht menschlicher Entwürdigung, überall vernetzen sich Menschen und kämpfen für die Anerkennung des gleichen menschlichen Werts aller Menschen. Gesicherte Lehrorte haben eine grosse Bedeutung. Max Keller, zum Beispiel, bewirkt einen wichtigen Beitrag zur Stärkung dieser Bewegungen, sowohl die von ihm persönlich geleistete Arbeit wie die von ihm geführte Paulus-Akademie. Die sorgfältige, zugleich kritische und intensive Vermittlung und Vertiefung des Wissens um den menschlichen Wert wie um die Bedrohlichkeit destruktiver gesellschaftlicher und politischer, wissenschaftlicher und religiöser Machtstrukturen, auch die Ermöglichung des breiten Wissensaustausches auf sokratische Weise- durch die Ermutigung, Fragen zu stellen und schrittweise Antworten zu erarbeiten -, all dies bedeutet einen Beitrag zur allmählichen Stärkung der Menschenrechte im Zusammenleben der Menschen. Inwiefern?

Die Begründung meiner Überlegung möchte ich zum Abschluss kurz formulieren. Von der philosophischen Analyse her ist, neben der Universalität, die „Unteilbarkeit“ der Menschenrechte die bedeutendste Errungenschaft. „Unteilbarkeit“ bedeutet, dass alle in der „Deklaration“ aufgeführten Menschenrechte in einer gleichrangigen Interdependenz Beachtung verlangen. Werden die Menschenrechte in einem Bereich verletzt, sind auch alle anderen Bereiche davon betroffen. Zum Beispiel: Wird das Recht auf Bildung (Art. 26), auf Arbeit (Art. 23) oder auf soziale Sicherheit (Art. 22) verletzt, so sind auch die gesellschaftlichen und politischen Rechte verletzt, da zum Beispiel die Teilnahme und Mitsprache an politischen Entscheidungen unter Bedingungen der Bildungsschwäche oder des prekären materiellen Überlebens nicht möglich ist. Ich denke, mit Recht zu sagen, dass die von Max Keller geleitete Paulus-Akademie durch die Akzeptanz der vielfachen Differenz der in ihr Lehrenden ein kreatives menschenrechtliches Vorbild vermittelt.

 

Fragen zu: Was bedeutet Kultur?

Was wird persönlich unter „Kultur“ verstanden (Wertbegriffe, Umsetzungsformen, Ursachen und Folgen der Weiterentwicklung)? Wurde das persönliche Kulturverständnis vermittelt (Eltern, deren zeitgeschichtliche Herkunft und Differenz, Bildungszusammenhänge, gesellschaftlicher Stand, (Kultur-)Geschichte in der Vielfalt der von einander abhängigen und auf einander bezogenen Generationen etc.))? – oder das Kulturverständnis persönlich erarbeitet? – Gestaltete es sich im Widerstand gegen vermittelten/erfahrenen Kulturmangel (z.B. gesellschaftliche Machtmissbräuche, verbunden mit Marginalisierung bis Ausschluss wegen kulturellen Andersseins, Immigration/Emigration, Männlichkeit/Weiblichkeit, infolge einseitiger standesmässiger, nationalistischer, sprachlicher, religiöser etc. Wertbegriffe u.a.m.)? Ist dies eine persönliche oder gruppenmässige/kollektive Entwicklungsgeschichte? – Ist Kultur von generationenbedingten Trends abhängig? –diese wiederum von wirtschaftlichen, sozialen und/oder politischen Einflüssen? Wie sind dies heute? Wie werden sie vermittelt, erfahren? Wie sind die Folgen?

 

(2) Kulturentwicklung in den Zeitverhältnissen:

vom Beginn der Moderne bis zur allmählich entgleitenden Postmoderne in unserer Zeit.

Was bewirkte die kulturelle Entfaltung, die als Aufklärung und als Beginn der Moderne bezeichnet wird? Welche Entwicklungen waren in den verschiedenen europäischen Ländern vorausgegangen, so dass es zu einzelnen individuellen und gesellschaftlich sich ausweitenden Entfaltungen kam? Welche Rolle spielten philosophische und gesellschafts-politische Theorien? Was bewirkte die Französische Revolution in Hinblick auf die politischen Rechte der Männer (les Droits des Hommes)? Und wie entwickelte sich der Kampf der Frauen wie der Angehörigen unterschiedlicher Religionen um die gleichen Rechte? Welches war der Einfluss der verschiedenen spezifischen Kulturen hinsichtlich der Freiheitsrechte, insbesondere was die öffentliche Publikation und Diskussion von Theorien, Widerständen und Widersprüchen, kreativen Entfaltungen im Bereich der Literatur, Musik, Malerei etc. betrifft? – hinsichtlich der Gerechtigkeitsbedürfnisse notleidender, durch Industrialisierung und Kapitalisierung ausgenützter Bevölkerungsteile, auch in Zusammenhang mit der Forderung nach gleichen Bildungsmöglichkeiten aller Kinder und Jugendlichen? – hinsichtlich der Friedensbedürfnisse – insbesondere von Frauen durch Veröffentlichungen, internationale Manifestationen und Veranstaltungen etc. manifestiert-, infolge der zunehmenden imperialistischen und nationalistischen Verschärfungen, die mit militärischen und politischen Kriegsvorbereitungen einhergingen? Wie, auf welche Weise und in Zusammenhang welcher Bereiche setzte die Postmoderne ein? Was bedeutet der Begriff? Wie und warum, infolge welcher Täuschungen, Blindheiten und Sturheiten entwickelte sich gleichzeitig die verhängnisvolle europäische und weltweite Kulturzerstörung durch Nationalismus und Rassismus, mit deren Zuspitzung im Ersten und Zweiten Weltkrieg? Ging es ev. damals schon um eine Vermischung von Virtualität und Realität? Wie ist die Entwicklung der unmenschlichen, zerstörerischen Gewalt erklärbar? Welche kritischen und kreativen kulturellen Widerstände entwickelten sich in jener Zeit? Worin sind heute noch kulturelle Folgen der individuellen wie der gesellschaftlichen Traumatisierung spürbar? In welchen Bereichen konnte sich auch kreative und dadurch zum Teil „heilende“ Kultur entwickeln? Was ist die Bedeutung der 1948 deklarierten Menschenrechtserklärung?

 

3) Kultur unter Bedingungen der Widersprüche in der ausgleitenden Postmoderne

Wie wirken sich Globalisierung und extreme Technologisierung von Industrie, Markt, Kommunikation und Wissenschaft in gesellschaftlicher Hinsicht aus? Welches sind sie gesamtgesellschaftlichen Folgen? Ist Kultur nur noch für Eliten umsetzbar? Welche Folgen zeigen sich in den 90er Jahren („Dreikreisemodell“, wachsende Arbeitslosigkeit, Auseinandergleiten zwischen europäischen „Primärmächten“ und marginalisierten Zweit- resp. Drittstaaten, sich zuspitzender, hassbesetzter Ethnizismus mit fast zehn Jahre lang sich fortsetzenden Kriegen, mit sich zuspitzendem psychischem Terror und kultureller Zerstörung im gesamten ehemaligen Jugoslawien (inkl. Kosova), materielle und politische Mitverantwortung für die Zerstörung beinah aller Gebiete des aufgespaltenen Landes und gleichzeitig ethnizistische Reaktion im Asylrechtsbereich in beinah allen nicht-jugoslawischen Staaten etc.)? Welche Aufgaben stellen sich den Verantwortlichen im Kulturbereich? Gibt es Möglichkeiten der gesellschaftsanalytischen Aufarbeitung? Welche Rolle kommt in diesem Zusammenhang den unterschiedlichen Medien zu, welche der Kunst (Musik, Volksfeste, Theater, Literatur etc.)? Wie ist Zukunft vorstellbar? – auf welche Weise ist Zukunft in guter Weise realisierbar, resp. in besserer Weise realisierbar als die Vergangenheit? Gibt es Modelle? – wenn ja welche? Welche Literatur kann Modellcharakter haben? Wie lässt sich hinsichtlich der enormen Differenz eine stärkende und vielfältig neu erwachende kreative Vernunft umsetzen? Was bedeutet in diesem Zusammenhang die kreative Vernunft, wie ist sie aufweckbar und umsetzbar?

 

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