„Auf dem Arbeitsmarkt behandeln die Männer die Frauen wie fremde Einwanderer“ – Historische und prinzipielle Aperçus auf den Lohnkampf der Frauen

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„Auf dem Arbeitsmarkt behandeln die Männer die Frauen wie fremde Einwanderer“[1]

Historische und prinzipielle Aperçus auf den Lohnkampf der Frauen

 

Der Kampf der Frauen um gleiche Löhne für

gleiche Arbeit ist beinah so alt wie die Geschichte der

Lohnarbeit der Frauen.  Und sehr früh schon war

klar, dass es beim Lohnkampf zugleich um mehr ging: um

die Frage der Geschlechterrollen, und, dahinter, um jene

des Existenzwerts von Frauen und Männern.

 

Während in Frankreich eine Frau ohne hohe Bildung und Stellung, Olympe de Gouges, es wagte, die sogenannte „Erklärung der Menschenrechte“ als ausschliessliche „Erklärung der Männerrechte“ zu denunzieren und dagegen eine „Erklärung der Rechte der Frau und Bürgerin“ zu verkünden, dabei zugleich den Terror und die Verbrechen der Revolutionäre, insbesondere diejenigen Robespierre’s, öffentlich anklagte und davon auch unter Todesdrohungen nicht abliess, bis sie verhaftet wurde und für ihren unbeirrbaren Mut mit dem Tod auf dem Schaffott zahlte, veröffentlichte 1792 in London eine andere Frau „aus dem Volk“, Mary Wollstonecraft, ein Buch, das ebenso sehr zum öffentlichen Ärgernis wurde: „Die Verteidigung der Rechte der Frau“. Darin ging es vor allem um die Demontage der – für die Konstruktion der gesellschaftlichen Zweitrangigkeit der Frauen geschaffenen – geschlechtsbedingten Charaktereigenschaften und Fäigkeiten, derzufolge Mädchen und Knaben von Anfang an eine ungleiche Erziehung und Bildung geboten wurde, was zu einem ungleichen gesellschaftlichen Wert von Frauen und Männern führte. „Wenn Frauen und Männer einander nicht durch Erziehung ebenbürtig werden, sind theoretische und praktische Fortschritte wirkungslos“, hielt Mary Wollstonecraft fest. „Auch die Wahrheit ist wirkungslos und ohne gemeinschaftsverändernden Einfluss, wenn sie nicht allen gemeinsam ist“. Ohne Beschönigung nannte sie die mindere Stellung der Frauen eine „Sklaverei“, für welche es keine Legitimation gäbe, ebenso wie es keine dafür gäbe, dass Vernunftargumente nur für die Rechte der Männer, aber nicht für die jene der anderen Hälfte der Menschheit, für jene der Frauen, gelten sollten.

Mary Wollstonecraft’s Werk kam in die Hände von Flora Tristan, einer peruanisch-französischen Frühsozialistin, die sich daran machte, für das Paria-Dasein einer ganzen Klasse, die nichts besitzt als ihrer Hände Arbeit (sie führte den Begriff der „classe ouvreière“ ein), sowie einer ganzen „Rasse“, jener der Frauen, die überindividuellen, gesamtgesellschaftlichen Gründe aufzudecken, welche die unwürdigen Verhältnisse schufen und aufrechterhielten. Das Ergebnis ihrer Erkenntisse findet sich zusammgefast in zwei Sätzen: „Der am meisten unterdrückte Mann kann noch ein anderes Wesen unterdrücken – seine Frau. Die Frau ist die Proletarierin ihres eigenen Proletariats“. Die letzten zwei Jahre vor ihrem Tod – sie starb 1843, einundvierzig Jahre alt – arbeitete sie verbissen an ihrem Hauptwerk, das sie „Union ouvrière“ nannte[2]. Eine erste Ausgabe von 4000 Exemplaren wurde vollständig verkauft, sodass 1844 eine zweite Auflage mit 10’000 Exemplaren gedruckt wurde, die ebenfalls einen reissenden Absatz fand. Der Erfolg erklärte sich aus der politischen Situation: Vereinigungen von Arbeitern und Arbeiterinnen waren damals strafrechtlich verboten. Politisch missliebige Frauen und Männer konnten aus jedem Betrieb ohne weiteren Grund sofort entlassen werden. Ein spezielles Ministerium mit eigenen „Sicherheitsorganen“ hatte ausschliesslich die Aufgabe, die Arbeiterscgaft zu überwachen. Wegen der Massenarbeitslosigkeit konnten die Löhne beliebig gedrückt, der Arbeitstag verlängert und die Sicherheitsbedingungen vernachlässigt werden. Kinderarbeit nahm ständig zu (in der Textilbranche machten die Kinder ein Drittel der Beschäftigten aus), auch wenn 1841 ein Gesetz erlassen worden war, das Kinderarbeit unter acht Jahren verbot und sie bis zum zwölften Altersjahr auf acht Stunden pro Tag beschränkte. Doch diese Einschränkungen galten nur für Betriebe mit über 20 Beschäftigten.

 

 

 

 

 

[1] Alice Rühle-Gerstel. Die Frau und der Kapitalismus. Eine psychologische Bilanz. Verlag Neue Kritik, Frankfurt a.M. 1972 (Nachdruck der Erstausgabe von 1932)

[2] Deutsch erschienen im isp-Verlag, Frankfurt a.M., 1988: Flora Tristan. Arbeiterunion. Sozialismus und Feminismus im 19. Jahrhundert. Aus dem Französischen übertragen und herausgegeben von Paul B.Kleiser.

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