Sprechen mit dem Kind

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Ihr alle, die Ihr Euch mit Kindern befasst, habt zwei wesentliche Erfahrungen gemacht:

  1. Dass Kindheit nicht eine besondere Art der Existenz ist, Kind­ sein nicht ein besonderes, apartes Sein, sondern dass immer, auch beim Kind, das ganze Menschsein im Blick ist. Wohl steht das Mensch­ sein hier noch am Anfang, ist noch unerprobt und unerfahren, ist in allen Belangen abhängig von den es umgebenden  Menschen, und doch ist es im wesentlichen  vollständig  da, Leib und Seele, Körper und Geist, mit dem von Anfang an wirkenden und nie abschliessbaren Zusammenspiel von sinnenmässiger und bewegungsbedingter Aufnahme­fähigkeit und Aufnahmetätigkeit und der schöpferischen, eigenstän­digen Umsetzung des Aufgenommenen im Geist sowie der schon von frühester Zeit an nach Verwirklichung drängenden Tätigkeit des Wil­lens.  Tätigkeit des Geistes sind Erkennen, Denken, Empfinden, Urteilen, Wollen; immer untrennbar verbunden mit den Bedürfnissen und der Tätigkeit des Körpers, dieser wiederum in seiner Tätigkeit abhän­gig von den Bedürfnissen und Betätigungen des Geistes. Wenn wir diese unterscheiden  in die erkennende Tätigkeit des Verstandes, in die sinngebende Tätigkeit der Vernunft, wodurch das einzeln Er­kannte Teil eines Bedeutungsrasters, Teil eines nach und nach wachsenden Sinnganzen wird, in die bindungsschaffende  und­ gemeinschaftsschaffene Tätigkeit des Empfindens, in die handlungsorien­tierende Tätigkeit des Urteilens, in die aufs physische Ueberleben und auf die psychische Konstitution des Ichs, der individuellen Persönlichkeit ausgerichteten Tätigkeit des Wollens, so wird uns zweierlei klar: Erstens dass das menschliche Sein ­ und so in unserm Blick das kindliche Sein ­ aufs feinste koordinierte Tätigkeit ist, im Werden auf ein  Ziel hin. Dieses Ziel ist, die ursprünglichen Anlagen ­- Erhaltung und Entwicklung des physischen und des psychischen Lebens ­ möglichst reich bezüglich der menschlichen Einzelheit wie der mensch­lichen Gemeinschaftszugehörigkeit zu fördern und zu vollenden.Zweitens, dass alle Tätigkeiten des Geistes aufs engste mit der Sprache verknüpft sind, sei es dass sie der Sprache zu ihrem Aus­druck bedürfen (so der Willen), sei es dass sie sich innerhalb der Sprache bewegen (so das Denken und Urteilen). Gewisse Philosophen gehen so weit  zu sagen, dass “Denken ohne Sprache unvorstellbar ist” (Hannah Arendt), andere formulieren vorsichtiger, dass “Denken und Sprache  einander vorweg nehmen. Ständig nimmt eines den Platz des andern ein” (so Maurice Merleau-­Ponty). zweifellos gibt es vorsprachliches und unsprachliches Denken, ist doch die wahrnehmen­de und verknüpfende Intelligenz auch vor dem Erwerb der Sprache tätig, in der Phase der senso-­motorischen Entwicklung der kindli­chen Psyche, in der das grundlegende Wissen um Raum, Zeit und Beziehung zustandekommt.
  2. Die zweite Erfahrung, die Ihr gemacht habt, ist, dass Kindheit eben doch eine besondere Art der Existenz ist, rätselhaft und verschlüsselt gemessen an unserer eigenen Erwachsenheit,  in derso vieles offen zutage liegt ­ – vielleicht abgenützt und abgegriffen -­, was sich beim Kind kernhaft verschlos­sen findet. Viele der Begegnungs-­ und Gesprächskonflikte, mit denen Ihr in Eurer Arbeit konfrontiert werdet, haben mit dieser Besonderheit des kindlichen Menschseins zu tun, mit dem besondern Mass psychischer Entfaltung Schritt für Schritt, von der Geburt an, mit der Besonderheit von Verstehen und Mitteilen, von Selbstver­ständnis und Weltverständnis, von Anpassung und Fremdheit inner­halb der Gemeinschaft. Wir werden auf diese Besonderheiten noch einzeln zu sprechen kommen.Von zentraler Bedeutung – ­ folgenschwer, wenn sie unbeachtet bleibt – ist die grosse Bedürftigkeit des Kindes. Wenn menschliche  Gemein­schaft nicht anders denn als Netzwerk von  Geben und Nehmen beste­hen kann, wenn die Angewiesenheit des einen auf den andern immer doppelseitig und gegenseitig ist, wenn menschliches Dasein immer und von allem Anfang an mit­menschlich  ist und sonst verkümmert, so muss das Dasein des Kindes in diesem Netzwerk als besonders abhängig und bedürftig verstanden werden. Denn im Austausch von Bedürfnissen und Pflichten hat das Kind noch keine andern Pflichten wahrzunehmen als die seinem eigenen Lebens­ und Entfaltungswillen gegenüber, und auch dieser zeigt sich als Bedürftigkeit; als Hunger nach leiblicher und seelischer Nahrung. Dass auch der Gemeinschaft gegenüber Pflichten zu erfüllen sind, dass man auch geben muss, um zu erhalten, dass man auch zuhören muss, um selbst angehört zu werden, und dass gerade im Leisten dieser Pflichten nicht Verzicht, nicht eigenes Hintanstellen, sondern Bestätigung und Anerkennung der Gemeinschaftsteilhaftigkeit und der persön­lichen Unaustauschbarkeit  liegt, das muss dem Kind vermittelt und vor allem vorgelebt werden, im Spiel und in der Arbeit, im Austausch von Fragen, Gegenfragen und Antwort, im Beispiel von Verstehen und Verzeihen, von Aufmerken und Anregen. Bevor wir darauf eingehen, wollen wird kurz noch einmal die grundsätzliche Bedürftigkeit des Kindes erwägen.Wir haben sie eben “Hunger nach leiblicher und seelischer Nahrung” genannt, im Sinn von Raymond Battegay (dem Basler Pschiater, wie er sie zum Beispiel in seinem Buch über die “Hungerkrankheiten” bezeichnet), der darunter “all jene Manifestationen” versteht,  “die des Menschen aktives, “aggressives” Verlangen nicht nur nach (oraler) Fütterung mit Nahrung, sondern auch nach gefühlsmässiger, warmer (taktiler) Zu­wendung umfassen”, die “Sehnsucht nach Kontakt und Kommunikation”, den “Hunger nach Mitmenschlichkeit”. Im Hunger liegt schon der Impuls zu dessen Ueberwindung; er ist die Voraussetzung  des körper­lichen und geistigen Fortschritts beim Menschen, ganz besonders beim Kind. Der Fortschritt aber macht das Werden aus, das Mehr­-Haben-­Wollen und in der Folge das Mehr­-Sein­-Wollen. Der Wandel vom Haben-Wollen zum Sein­-Wollen ist das grosse innere Ereignis d­er Freiheit. Es setzt bei den meisten Kindern etwa zwischen dem 2. und  3. Lebensjahr ein, realisiert sich jedoch auf besondere Weise im sogenannten Trotzalter. Es ist, auch schon beim kleinen Kind, Leistung  der Vernunf d.h. Leistung des tätigen Geistes, welcher die Ergebnisse von Erkenntnis und Erfahrung, das verfügbare Wissen mit der immer wieder neu begegnenden Realität, mit dem Unverfügbaren, verknüpft und so Sinnzusammenhänge her­stellt. Diese Verknüpfung zwischen Innen und Aussen, zwischen Ich und Welt, bringt etwas zustande, was wir gerade beim Kind deutlich wahrnehmen und spüren: Freude. Freude ist dies, das “Gefühl der Realität” (nach Simone Weil), das Gefühl der Ueberein­stimmung und, wenn auch häufig nur für Augenblicke, der Sättigung.Sättigung ist also keineswe­gs­ ­nur­­ Antwort auf den physischen Hunger, sondern ebenso sehr auf den vielschichtigen seelisch­-geistigen Hunger, d.h. sowohl auf den gemütsmässig-­affektiven nach Wärme, nach Zuwendung, nach Anerkennung und Bestätigung, nach Liebe, wie auf den intellektuellen nach Erklärung des Frag­würdigen, nach Erkenntnis und Wissen; nach Sicherheit in der Welt so oder so.Menschen, die im Kindesalter in diesem Hunger ungesättigt bleiben, die nur geduldet und “behandelt” werden, statt als Partner in ein Gespräch aufgenommen zu werden, in dem die Umwelt das aufmerksame, freundliche Du ist, können kaum ein genügendes Selbstwertgefühl entwickeln, um sich später in der aufgesplitterten  und unaufmerk­samen Umwelt verstanden und akzeptiert zu fühlen. An Stelle dia­logischer Mitmenschlichkeit entwickelt sich Leere, Beziehungs­armut und Vereinsamung. Die zahlreichen Sucht­ und Selbstzerstö­rungserscheinungen, mit denen wir täglich konfrontiert werden, legen davon Zeugnis ab.Wenn wir uns im folgenden vor allem mit dem Sprechen und dem Ge­spräch im eigentlichen Sinn befassen und die vielen andern Gesprächs­formen (von der Liebkosung über das Spiel mit dem eigenen Körper, mit Gegenständen, mit Farben und Tönen, über die Teilnahme an der Arbeit, über die Bewegung, über die Begleitung von Ort zu Ort) nur ergänzend betrachten, so weil die Sprache besonders deutlich die Doppelseitigkeit des menschlichen Geistes aufweist: als aufnehmende und  als schöpferische Kraft, als einer langen Geschichte teil­haftig und als am Anfang dieser Geschichte stehend, als erkenntnis­bildend und als gemeinschaftsvermittelnd. Sprachkenntnis und Sprachgebrauch sind Anzeichen für das ganzheitliche Befinden des Kindes.

 

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