Fragen der Traumatherapie 06

Fragen der Traumatherapie 06

 

1)  Trauma resultiert aus

  1. der Wiederbelebung eines früheren Konflikts
  2. der Reaktualisierung eines früher erlebten, ungelösten Konflikts
  3. defizitären Strukturen, die zu einer strukturellen Störung führen
  4. von Außen bewirkten, extremen Traumatisierungen bei bislang „unbelasteten“ Menschen (richtig)
  5. Überforderung der Bewältigungsressourcen auf Grund erworbener struktureller Defizite

 

 

2)         Sequentielle Objekterfahrung trifft zu

  1. bei einer Kette von subtraumatischen Ereignissen, wobei nach jedem die Restitutionsfähigkeit des Ichs gestört wird, so dass es auf Dauer zu einem Zusammenbruch des psychischen Systems kommt (richtig)
  2. wenn die Person mit einem Ereignis konfrontiert wird, das eine Gefahr für die körperliche Unversehrtheit darstellt
  3. wenn eine anhaltende Vermeidung von Reizen anhält, die mit dem Trauma verbunden sind oder eine Abflachung der allgemein Reagibilität vorhanden ist
  4. wenn bei der Konfrontation mit internalen oder externalen Hinweisreizen körperliche Reaktionen auftreten, die einen Aspekt des traumatischen Ereignisses symbolisieren
  5. wenn der Therapeut, der die Patientin in ihren Bemühungen um Aufarbeitung des Traumas begleitet, Distanz zur traumatischen Erfahrung einnimmt, um einen Überblick über die traumatische Situation zu gewinnen

3)   Der Begriff „Posttraumatische Belastungsstörung“ PTSD ist zu eng gefasst, weil

  1. es sich nicht um eine biphasische Reaktion von Vermeidung/Verleugnung auf der einen und Intrusion auf der andere Seite handelt
  2. weil eine „normale“ Reaktion auf eine nicht tragbare und nicht verarbeitbare Verletzung des Ich-Wertes und der Lebenssicherheit als „Störung“ bezeichnet wird (richtig)
  3. das „Trauma“ vorbei ist, wenn die traumatische Situation oder das traumatische Ereignis vorüber ist
  4. weil die Folgen des Traumas nur auf die traumatische Erfahrung begrenzt bleiben
  5. weil ein Trauma nur aus mehreren, wiederholten Erfahrungen von Gewalt und Deprivation entsteht

 

4)   In der analytischen Traumatherapie soll das therapeutische Arbeitsbündnis und die Übertragungsbeziehung

  1. der Patientin ermöglichen, auf stärkende Weise den eigenen Subjektwert zu erfahren, im Unterschied zur Wehrlosigkeit, die in der traumatischen Situation erlebt wurde (richtig)
  2. den Beziehungsformen, die in der traumatische Situation erlebt wurden, ähneln, um die Erfahrung von Hilflosigkeit zu korrigieren
  3. sich auf die Durcharbeitung der durch das Trauma verzerrten Beziehungsschemata der Patientin beschränken, da die dialogische Grammatik von Subjekt zu Subjekt zwischen Therapeutin und Patientin erst nachher angegangen werden kann
  4. der Patientin von Seiten der Therapeutin keinen Entfaltungsspielraum anbieten, um deren transgenerationelle Geschichte zu erfassen, sondern es soll gezielt nach nicht erwähnten Themen gefragt werden
  5. durch einen explorativen und diagnostizierenden Gesprächsstil in den Äusserungen der Therapeutin gekennzeichnet sein

 

5)   In die analytische Traumatherapie soll die transgenerationelle Geschichte des Patienten / der Patientin miteinbezogen werden,

  1. weil Trauma eine Reaktualisierung früherer Versagungs- und Konfliktsituationen in der Entwicklungsgeschichte des Patienten ist
  2. weil der Patient seine Abwehrmechanismen mobilisiert, wenn es darum geht, wegen der mit der Reaktualisierung verbundenen Ängste eine Krise des Selbst zu vermeiden
  3. weil im Zentrum der Therapie die Verarbeitung der Verinnerlichung (Internalisierung, Lernerfahrung) der gelungenen und der konflikthaften Beziehungserfahrungen steht
  4. weil Trauma auf eine suboptimale Konfliktlösungskompetenz hinweist
  5. weil erlebte Traumata tatsächtlich Teil und Folge gesamtgesellschaftlicher Bedingungen sein können (richtig)

 

6)         In der analytischen Traumatherapie

  1. soll die therapeutische Haltung durch eine nicht beurteilende Akzeptation der Patientin geprägt sein (richtig)
  2. soll der Therapeut zu allererst die Patientin über ihr mögliches Fehlverhalten in der traumatischen Situation aufklären
  3. soll der Therapeut sich abstinent, d.h. neutral und nicht parteilich auf die Seite des Opfers oder des Täters stellen
  4. soll der Therapeut alle Versuche der Patientin, die Beziehung zum Therapeuten zu testen, unterbinden (zum Beispiel wenn die Patientin versucht, den Therapeuten zu testen, ob dieser das Vertrauen verdient)
  5. soll der Therapeut das „Unsagbare“, auch wenn es von der Patientin angedeutet wird, ignorieren, da dieses oft mit Schamgefühlen verbunden ist

 

7)   Die Grundregel der therapeutischen Grammatik heisst,

  1. die der Patient soll zum „Objekt“ der Selbstanalyse des „Arztes“ werden
  2. der Therapeut muss in der Beziehung zum Patienten Distanz wahren, um von dieser Position aus die Übertragung und die psychische Realität des Patienten zu erkennen
  3. die Äusserungen des Patienten im Hier und Jetzt sind nur als Reaktionen auf vergangene Erfahrungen aus früheren Beziehungen zu verstehen und nicht aus der therapeutischen Situation
  4. Übertragungen weisen ausschliesslich Spuren des Patienten nach und sollen vom Therapeuten übersetzt werden
  5. die therapeutische Beziehung ist interaktiv und der Patient ist auf dialogische Weise das andere Subjekt in der therapeutischen Situation der Kommunikation mit dem Therapeuten (richtig)

 

8)  Eine stete Achtung der reziproken Subjekhaftigkeit in der dialogischen Kommunikation ermöglicht eine Stärkung des Ich- und Selbstwertes des Patienten,

  1. weil eine emotionale Traumabearbeitung gefördert wird, in welcher der Therapeut seine Gegenübertragungsgefühle und -reaktionen verwendet, um „szenische Elemente“ zu verstehen, die der Patient nur aktiv mitteilen kann (richtig)
  2. weil die direkte Wiederholung des mangelnden Subjektwertes in der Übertragung einer Retraumatisierung des Patienten gleichkommt, da dieser in der Regel der „als-ob“-Aspekt fehlt
  3. weil damit die sensitive Beobachtungsgabe des Patienten und zunehmend auch die Fähigkeit zur Differenzierung zwischen wirklich bedrohlichen und nur vermeintlich bedrohlichen Eindrücken gefördert wird
  4. weil über die aktuell inszenierte Beziehung zwischen dem Patienten und Therapeuten hinaus der Therapeut nach dem habituellen Beziehungsverhalten des Patienten in anderen bedeutsamen zwischenmenschlichen Beziehungen fragt
  5. weil auf Grund der Verarbeitung von aktuell erlebten Übertragungen und Gegenübertragungen sowie von berichteten Beziehungsepisoden sich ein differenziertes Bild repetitiver Muster im Verhalten und Erleben des Patienten im Kontext sozialer Beziehungen herstellen lässt

 

9)   Sofortige Hilfe und Beschaffung von Hilfe für Opfer sozial bedingter Traumatisierungen    heisst,

  1. Opfer und Täter trennen, damit das Opfer sich geschützt fühlt, sowie dem Opfer möglichst rasch eine weitgehende Sicherheit vermitteln und einen einfühlsamen Gesprächspartner zu Verfügung stellen (richtig)
  2. die direkte und unmittelbare Konfrontation des Opfers mit dem Täter fördern
  3. die Stress- und Traumareaktion des Patienten unterbinden
  4. die Gefühlsausbrüche des Patienten als Ausdruck von Verleugnung deuten und den Patienten mit den Fakten konfrontieren
  5. eine Rückzugsmöglichkeit für die Traumahelfer anbieten

 

  • Selbstbehandlungsversuche durch Drogen sind ein verbreitetes psychotraumatisches Belastungssyndrom,
  1. so dass bei Patienten,die versuchen, die extreme Belastung durch Drogen zu mildern, Alkoholismus- und Drogenbehandlung in die Therapie einbezogen werden sollen (richtig)
  2. so dass Alkoholismus- und Drogenbehandlung eine Kontra-Indikation für die analytische Traumatherapie darstellen
  3. so dass der übermässige Gebrauch von Betäubungsmitteln für die Traumaverarbeitung förderlich ist
  4. so dass der übermässige Gebrauch von Betäubungsmitteln vor Beginn der Therapie untersagt werden muss
  5. so dass der übermässige Gebrauch von Betäubungsmitteln nie in Zusammenhang mit dem Trauma steht und auf eine vor dem Trauma existierende Suchtproblematik hinweist

 

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