Die Save – Portrait eines Flusses – Ein Beitrag des Fernsehens DRS zum Friedensprozess zwischen den Ländern des ehemaligen Jugoslawien

Die Save

Portrait eines Flusses

Ein Beitrag des Fernsehens DRS zum Friedensprozess zwischen den Ländern des ehemaligen Jugoslawien

 

Konzept von Maja Wicki

 

Der Fluss

Die Save entspringt im geologisch und politisch dramatischen Dreieck, wo die in Ost-West-Richtung verlaufenden Karawanken mit den in der Nord-Süd-Linie zur Adria abfallenden Julischen Alpen zusammentreffen. Ein fischreicher Bergbach zuerst, dann ein anwachsender, zuerst noch wilder Fluss, der sich in Slowenien durch steil abfallende Bergtäler windet, der an der slowenisch-kroatischen Grenze, in Krsko, das noch unter Tito erbaute Atomkraftwerk bedient, der zunehmend domestiziert und ausgebeutet wird, östlich von Zagreb ein Stück weit kanalisiert ist, in weit schwingenden Mäandern sich durch Kroatien ergiesst, bei Jasenovac zum kroatisch-bosnischen und etwa zwölf Kilometer östlich von Brcko während einer kleineren Strecke zum bosnisch-serbischen Grenzfluss wird, an dessen Ufern im Lauf der Jahrhunderte eine Vielzahl  von Städten entstanden sind, der drei der jugoslawischen Hauptstädte durchfliesst – Ljubljana, Zagreb und Belgrad, wo er sich in die Donau ergiesst -, während er für das zerklüftete Bergland Bosnien den furchtbaren Nordrand darstellt.

Die historische und kulturelle Bedeutung

Während allen Jarhunderten war die Save ein Schicksalsfluss, der in den sich wiederholenden und sich verschärfenden Kriegen die feindlichen Lager getrennt hat (so etwa im 2. Weltkrieg die Partisanen in Bosnien und zum Teil in Serbien von den kroatisch-faschistischen Kräften) und der auch in diesem, seit 1991 dauernden Krieg die Städte an seinem Ufer schrecklichste Zerstörungen kennen liess, der jedoch in Friedenszeiten mit seinen Brücken die Menschen, Völker und Länder auf freundlichste verband. Gerade für die kulturstiftende Funktion dieses Flusses sind die Städte der schönste Beweis. Sie wurden zu Martktorten, zu Orten des aufblühenden Gewerbes und Handels, zu Orten des kulturellen Austauschs zwischen der muslimischen und verschiedenen Ausgestaltungen der christlichen wie der jüdischen Kultur.

Die aktuelle und politische Bedeutung

Dass –  und wie – diese Kulturleistungen am Ende des 20. Jahrhunderts einmal mehr mit Waffengewalt und menschlichem Hass zerstört wurden, muss jetzt, wo der Friedensprozess eventuell wirklich einsetzen kann, dokumentiert werden, bevor der – dringend erforderte – Wiederaufbau diese jüngste Geschichte der Verdrängung preisgibt. Gerade die Geschichte des ehemaligen Jugoslawien, die Geschichte unserer Elterngeneration lehrt, welches Unheil aus der Geschichtsverdrängung erwachsen kann. Damit eine Friedensgeschichte einsetzen kann, damit die Wunden wirklich heilen können, muss das Ausmass der Verletzungen genau bewusst gemacht werden. Quasi “exzerptweise”, als “pars pro toto”, liesse sich diese Dokumentation mit dem Portrait der Save, dieses Schicksalflusses, leisten.

Die filmisch-aesthetische Bedeutung

Die filmische Schilderung der Save, von deren Anfängen in den zerklüfteten Bergen bis zu den  trägen Windungen in den breiten Ebenen, verspricht eindringliche, auch aesthetisch überraschende und überzeugende Wirkungen, ebenso sehr wie jene der Kulturleistungen an deren Ufern, der noch bestehenden wie der zerstörten, d.h. der Brücken und Städte, wie jene der Menschen, die an der Save ausgeharrrt haben, die aus dem Exil zu ihr zurückkehren oder die sich ihrer erinnern. Literatur, ev. auch Einblendungen historischer Filmaufnahmen könnte die aktuelle Dokumentation ergänzen.

Zeitpunkt der Produktion

Damit der Film tatsächlich ein Beitrag zum Friedensprozess werden kann, ist es nötig, mit den Dreharbeiten so bald wie möglich zu beginnen. Ich schlage folgende drei Etappen vor: (1) Im Februar eine Rekognoszierungsreise  von minimal zwei Wochen, darauf Erstellung des Buchs. (2) Eigentliche Dreharbeiten im April, wiederum minimal zwei Wochen. (3) Montage, Schnitt etc. Ende April/erste Hälfte Mai.

Produktion

Schweizer Fernsehen DRS

Realisation

Konzept/Buch: Maja Wicki

Regie: Felix Karrer (Assistenz: Maja Wicki)

Standfotos: Cristina Zilioli

Weitere Beteiligte: noch offen

Kosten

Sind für die einzelnen Etappen (inkl. Honorare und Spesen)  zu berechnen; ob schätzungsweise 100’000 bis 120’000 Franken genügen, ist zu prüfen

 

Zürich, 9. Dezember 1995

 

 

 

 

 

 

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