Will grosse Ziele mit kleinen Schritten erreichen – Daniel Brunner – Landis & Gyr-Erbe als Sozialrevolutionär

Will grosse Ziele mit kleinen Schritten erreichen – Daniel Brunner – Landis & Gyr-Erbe als Sozialrevolutionär

 

Noch keine 33 Jahre alt, mit einem Studienabschluss in Ethnologie und Wirtschaftsgeschichte, hat Daniel Brunner die Unermüdlichkeit und den Eifer eines Berufspolitikers. Als Gemeinderat der Sozialistisch-Grünen Alternative (SGA) Zug greift er mit seinen Vorstössen im Rat und in der Oeffentlichkeit die kurzsichtige Profitlogik auf allen Fronten an.

“Umwälzen können wir diese Gesellschaft nur mit Frechheit; aber Frechheit kann Angst machen, macht oft Angst”, erklärte Daniel Brunner am 23.Januar dieses Jahres anlässlich des ersten Diskussionsabends der SGA in Zug, und er fuhr fort, dass daher auch Kontinuität erfordert sei, Kohärenz der Aussagen und der Forderungen. Wichtig sei “die Kombination beider Trümpfe: Dass wir auch im Angesicht der Herrschenden unseren Mund und Mut nicht verlieren, dass wir aber gleichzeitig zeigen, wie ernsthaft wir sind, dass wir keine Experimente auf Kosten der Bevölkerung machen”.

Kompetenz in Sachfragen und Respektlosigkeit vor Macht ist nicht nur eine Art Handlungsprogramm des jungen Politikers, sondern gleich­zeitig seiner Partei, die nun 72 Mitglieder zählt, darunter ein gutes Drittel aktive. Die von ihnen ­  und namentlich von Daniel Brunner anvisierte “Umwälzung” der Gesell­schaft soll allerdings friedlich und konstruk­tiv erfolgen, durch steten Einsatz für eine ökologische und solidarische Welt, “lokal  und weltweit, eine Welt ohne Militär und ohne Frauenunterdrückung”

Daniel Brunner distanziert sich nicht von seiner Herkunft. “In der Primarschule hörte ich einen Mitschüler sagen, wir seien Millio­näre. Darauf fragte ich meine Mutter, die mir sagte, das sei so”. Vom Lebensstil her un­terschied sich die Familie nicht von anderen bürgerlichen Familien in der Zugersee-Gemein­de Oberwil. Es wurde mit nichts Verschwendung getrieben und “geldgierig war man nicht bei uns”. Mit Befremden nahm er aber schon bald wahr, als er etwa 10  Jahre alt war, dass die Leute ihn als Landis & Gyr-­Erben behandelten und nicht als Individuum. “Was man mit Kindern tut, dass man sie zum Beispiel in  den Läden warten lässt und zuletzt bedient, das tat man plötzlich mit mir nicht mehr, erinnert er sich.

Vom Vater  – Andreas C. Brunner-Gyr – redet er mit Respekt. “Er war zwar ein erklärter Anti­-Kommunist, aber debattier­-freudig und liess andere Meinungen gelten. Der Strang der Freiheit war immer da, auch der des Sozialen”. 11 Jahre alt war Daniel Brunner, als russische Panzer den Prager Frühling nie­derwalzten; seither, sagt er, liest er täglich die  Zeitung. Auch  sonst übte er sich schon früh in Politik, als Kulturchef bei der Schülerorganisation des Zuger Gymnasiums und ab 1973 als Mitglied im Chile­-Komitee. Damals er­wachte sein Interesse für die Zusammenhänge der Dritten Welt und er fasste den Entschluss, Ethnologie zu studieren. Mit einer zweibändigen Arbeit über die Wirtschaftsentwicklung des Sa­hels schloss er sein Studium ab.

Seine Feldstudien machte Daniel Brunner aller­dings nicht in Afrika, sondern in Zug, “wo es gilt, Luxusprobleme zu lösen, um menschenwürdiges Leben für alle möglich zu machen”, wie er sagt. “Weni­ger über den Lohn als übers Wohnen erfolgt heute Ausbeutung. Arbeiterkontrolle, Selbstverwaltung wäre das Rezept.  Aber zu wenig Leute sind be­reit, Verantwortung zu übernehmen, und zu we­nige sind fähig dazu”. Daniel Brunner engagiert sich zur Hälfte seiner Zeit für die ProMiet AG, eine gemeinnützige Aktiengesellschaft ohne Gewinnausschüttung, die in der Gemeinde Hünenberg, nicht weit von Zug, die Mietersiedlung Schauburg errichtet hat, nach ökologischen Richtlinien, mit Sonnenkollektoren und Flüssiggas zur Raumheizung und zum Kochen, mit einer überdurchschnittlichen Isolation der Häuser, mit Biofarben bei den Aussenanstrichen und naturnahen Bodenbe­lägen, mit getrenntem Abfallsystem in allen Wohnungen und Kompostiermöglichkeiten auf dem Gelände, mit einer bewussten Gestaltung priva­ter, halbprivater und öffentlicher Bereiche in der Siedlung sowie mit erwähnenswerten organisatorischen und kostenmässigen Besonder­heiten: Mieterinnen und Mieter erhalten kündi­gungssichere  Mietverträge bei gleichzeitiger grösstmöglicher eigener Kündigungsfreiheit, ihre Teil­nahme an der Siedlungsorganisation ist obli­gatorisch,auch die Uebernahme anfallender Arbeiten, da es in der Mietersiedlung keinen Abwart gibt, und sie haben die Möglichkeit, jederzeit einsicht in die Buchführung der Promiet AG zu nehmen.­ Mieter-­ und mieterin­nenfreundlich sind auch die Mietzinse, die ent­sprechend dem Wohnbau-­ und Eigentumsförderungs­gesetz (WEG) des Bundes gestaltet sind.

Daniel Brunner identifiziert sich in starkem Mass mit diesem Modell, ebenso wie mit sei­nen Vorstössen zur Förderung des Biolandbaus und zur Abschaffung des Patentschutzes: In der Landwirtschaft müsse der Kreislauf von Lebens­mittelproduktion und Bodenfruchtbarkeit geschlossen werden, sollen unsere Böden langfristig überhaupt noch produktionsfähig und das Wasser auf unserem Planeten noch trinkbar bleiben. Daniel Brunner plädiert daher für eine Ab­schaffung der gesamten Chlor-­ und fast der ganzen Agrochemie. Er zitiert Berechnungen des Forschungsinstituts für biologischen Landbau in Oberwil BL, denen zufolge die Preisaufschlä­ge durch Biolandbau,  würde die ganze Schweiz darauf umstellen, höchstens 10 bis 15% betra­gen würden. Vor eineinhalb Jahren besuchte er den Kongress der Internationalen Vereinigung der Biolandbaubewegungen (IFOAM) in Burkina Faso, dessen Regierung 1985 den organischen Landbau als erstes Land der Welt zur offiziel­len Agrar­- und Entwicklungspolitik des Landes erklärt hat.

Die Abschaffung des Patentschutzes soll, nach Daniel Brunner, zu einem  Ausgleich des Ent­wicklungs-­ und Technologiegefälles zwischen Erster und Dritter Welt führen, das heisst zur notwendigen Verlangsamung bei uns und zur Be­schleunigung der Selbständigkeit und der Güterversorgung in den Ländern der südlichen Hemisphäre und in Osteuropa.

“Es ist heute dringend, sparsamer mit unseren Ressourcen umzugehen. Seit Zürich zum Beispiel den Wintertarif für Stromverbrauch eingeführt hat, kann man in Zug nicht mehr sagen, das sei unmöglich. Nun müssen die Leute klar sagen, dass sie nicht wollen. Mit meinen Vorstössen will ich auch für mehr Transparenz in der Politik sorgen”, erklärt der unentwegte Zuger SGA-­Mann Daniel Brunner, dem es mit allem, was er sich vornimmt, ernst ist, auch mit seinem Plan, Zuger Kantonsrat zu werden.

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