Die Grammatik des therapeutischen Dialogs Über die narzistische Attrappe der Macht – Ursachen und Folgen von Übertragung und Gegenübertragung

Herbstkolloquium der Hans Carossa Klinik. D-79778 Stühlingen  25. Oktober 2003

Die Grammatik des therapeutischen Dialogs

Über die narzistische Attrappe der Macht

Ursachen und Folgen von Übertragung und Gegenübertragung

 

 

“Behutsam, ihr Götter,

denn das Herz aus Porzellan

ist spröde und leicht

zu verletzen” (…)[1].

 

Verehrte Anwesende

 

Es bedeutet mir eine Ehre und ein Vergnügen, mit Ihnen über das Regelsystem in der psychotherapeutischen Beziehung einen Austausch aufzunehmen, in Fortsetzung des Beitrags von Herrn Prof. Horst Kächele. Herrn Dr. med. Akram Habbaba und Herrn Dr. Claudio Giorgini sage ich herzlichen Dank für die Einladung.

 

Auf die Grammatik des therapeutischen Dialogs, wie ich sie verstehe, werde ich im zweiten Teil des Referats eingehen, auch auf knappe Fallbeispiele, mit welchen der  theoretische Aspekt verdeutlicht werden kann. Im ersten Teil möchte ich mich mit psychotherapeutischen Verhaltensregeln auseinandersetzen, die sich in Sigmund Freuds Vorlesungen und Vorträgen finden, indem ich deren Bedeutung für Freud selber befrage. Im dritten Teil strebe ich eine Art Synthese an, resp. eine Verbindung einzelner wichtiger Aspekte der Erkenntnisse Freuds, Anna Freuds, Theodor Reiks, Mohammed Masud R. Khans, Johannes Cremerius, Léon Wurmser u.a.m. mit meinen persönlichen Erfahrungen und mit meinem Bemühen, jede Art von Wissen in selbstkritischem Sinn ständig neu zu befragen, zu klären und zu vertiefen. Es geht mir in allen drei Teilen nicht darum, in den theoretisch-wissenschaftlichen Wettbewerb einzuspringen, wie ihn viele der RepräsentantInnen einer kaum mehr überschaubaren Menge von psychoanalytischen Schulen untereinander austragen, die sich alle in irgendeiner Weise – weiter, näher, enger etc. – auf Freud abstützen[2]. Auch ich tue dies, jedoch ohne Schulzugehörigkeit. Ich erlaube mir daher, einen Teil meiner persönlichen Auseinandersetzung mit Freuds Regelsystem und einen Teil meiner persönlichen therapeutischen Erfahrungen zu vermitteln. Mit einher geht der Wunsch, dass “das Nichtwort, ausgespannt zwischen Wort und Wort”, wie Hilde Domin formulierte[3], mitklingen kann.

 

1. Das “edle Schachspiel”

 

“Wer das edle Schachspiel aus Büchern erlernen will, der wird bald erfahren, dass nur die Eröffnungen und Endspiele eine erschöpfende systematische Darstellung gestatten, während die unübersehbare Mannigfaltigkeit der nach der Eröffnung beginnenden Spiele sich einer solchen versagt. Eifriges Studium von Partien, in denen Meister miteinander gekämpft haben, kann allein die Lücke in der Unterweisung ausfüllen. Ähnlichen Einschränkungen unterliegen die Regeln, die man für die Ausübung der psychoanalytischen Behandlung geben kann. (…) Ich tue gut daran, diese Regeln als ‘Ratschläge’ auszugeben und keine unbedingte Verbindlichkeit für sie zu beanspruchen”[4].

Es geht beim Schachspiel um ein Wettspiel des Denkens, in welchem zwischen zwei Personen ein knapper Ort von gleicher Länge und Breite nach gleichen Regeln zur Verfügung steht; es geht darum, das schnellere und klugere Erkennen und dessen Umsetzen in Handlungsentscheide zu beweisen. Damit sich die angestrebte “Meisterschaft” ergibt, muss ein Feindkonstrukt vorausgehen, aus welchem der Kampf zwischen Ebenbürtigen sich zuspitzt und mit der Niederlage und/oder dem Sieg des einen oder des anderen endet. Das Schachspiel entspricht somit einem Machtspiel auf der Ebene der Logik, d.h. des Denkens auf der Ebene der Abstraktion. Was dabei an psychischen Kräften miteinhergeht, wie sehr das Unbewusste mitspielt, zeigt sich in der Art und Weise des Spiels: in der Angriffigkeit, im spürbaren Rückzugsverhalten, in der erregenden Vorschau der Macht und des Gewinns, im Gefühl der Scham ob des Versagens und der Ohnmacht, eventuell im Wunsch nach einem neuen Spiel, nach Fortsetzung und Bestätigung der Meisterschaft oder nach Rache.

Für Freud bedeutete das Denken ein “probeweises Handeln mit kleinen Energiemengen, ähnlich wie die Verschiebungen kleiner Figuren auf der Landkarte, ehe der Feldherr seine Truppenmassen in Bewegung setzt”[5], eine übergeordnete intellektuelle Potenz, welcher er die erkennende und vorausschauende Abstraktionsfähigkeit zuordnete, durch welche im Schachspiel das Ziel – die siegreiche Meisterschaft – erreicht werden kann Anzunehmen ist, dass Freud mit den Überlegungen, die er als “Ratschläge” bezeichnete, Einblick in sich selbst zuliess, ohne sich dessen bewusst zu sein[6]. “Wenn ein Psychoanalytiker ein ‘psychoanalytisches’ Buch veröffentlicht, so enthüllt er damit einen Teil seiner selbst” hielt Tilman Moser, der mit seinen “Streitschriften” immer wieder aneckt, als Zitat und als Leitidee einer kritischen Untersuchung fest[7].

Die zentrale Frage, die sich stellt, ist, ob das Schachspiel überhaupt der analytisch-therapeutischen Situation entspricht. Geht es denn dabei um ein Gefecht? Ist der Patient oder die Patientin tatsächlich der/die GegenspielerIn des/der TherapeutIn? Und wofür stehen die Figuren, mittels welcher der Kampf ausgetragen wird? Sind sie Symbole der Übertragungs- und Gegenübertragungsbilder? – der König für den Therapeuten selber? – oder für die Vaterfigur? –  die Königin eventuell für die Patientin? – oder für die Mutterfigur? – und die anderen Figuren, Läufer, Turm etc.? Da sich bei Freud auf diese Fragen keine Antworten finden, muss die Untersuchung einer seiner “Meister-Partien” eine Antwort bieten.

 

1. Fallbeispiel für das “Schachspiel”

Als die “Ratschläge” 1913 erschienen, war Freud 57 Jahre alt. Vier Jahre vorher, 1909, hatte er sich als “Berater” in eine damals hochaktuelle “Partie” eingemischt – eine “furchtbare Geschichte”[8], wie Johannes Cremerius die Übertragungs-Gegenübertragungstragödie zwischen Sabina Spielrein und C. G. Jung bezeichnet. Als “Berater” machte sich Freud zum Komplizen des die Regeln missachtenden “Arztes” und gleichzeitig zur moralisierenden Vaterfigur gegenüber der Patientin. Jung gegenüber liess er wissen, er solle “nicht zu stark in die Zerknirschung und Reaktion gehen” und bot ihm als Vergleich “das schöne Gleichnis von Lassalle von der zersprungenen Eprouvette in der Hand des Chemikers’ an. “Kleinere Laboratoriumsexplosionen werden bei der Natur des Stoffes nie zu vermeiden sein. Vielleicht hat man die Eprouvette wirklich nicht schräg genug gehalten oder zu rasch erwärmt” [9].  An Sabina Spielrein richtete Freud den Ratschlag, ihre Gefühle für Jung zu unterdrücken und vor allem “keine äussere Aktion und Heranziehung dritter Personen” einzuleiten[10].

Auf alle Aspekte der ca. fünf Jahre dauernden Fallgeschichte einzugehen, würde mehr als die verfügbare Zeit beanspruchen. Was mir wichtig erscheint, betrifft die Hinterfragung des Regelsystems, das Freud als Ratschlag im Vergleich mit dem Schachspiel für die “Technik der Psychoanalyse” vorlegt und dazu beifügt, dass die Nichtbeachtung der Regeln auch sinnvoll sein könne: “Die ausserordentliche Verschiedenheit der in Betracht kommenden psychischen Konstellationen, die Plastizität aller seelischen Vorgänge und der Reichtum an determinierenden Faktoren widersetzen sich auch einer Mechanisierung der Technik und gestatten es, dass ein sonst berechtigtes Vorgehen gelegentlich wirkungsfrei bleibt und ein für gewöhnlich fehlerhaftes einmalig zum Ziele führt. Diese Verhältnisse hindern indes nicht, ein durchschnittlich zweckmässiges Verhalten des Arztes festzustellen”[11].

Was bedeutet ein “durchschnittlich zweckmässiges Verhalten”? Was heisst “zweckmässig”? Ist es gestattet, dass “ein für gewöhnlich fehlerhaftes Vorgehen einmalig zum Ziel führt”? Um welches “Ziel” geht es, zu welchem auch ein fehlerhaftes Vorgehen führen kann resp. darf?

Freud hatte als “Meister des Schachspiels” seine – wissenschaftlichen – Erkenntnisse über das, was Gegenübertragung bewirkt, ein Jahr später als “Neuerungen der Technik”  im Eröffnungsvortrag des Zweiten Internationalen Psychoanalytischen Kongresses in Nürnberg vom 30. März 1910 vorgetragen: “Wir sind auf die ‘Gegenübertragung’ aufmerksam geworden, die sich beim Arzt durch den Einfluss des Patienten auf das unbewusste Fühlen des Arztes einstellt, und sind nicht weit davon, die Forderung zu erheben, dass der Arzt diese Gegenübertragung in sich erkennen und bewältigen müsse. Wir haben (…) bemerkt, dass jeder Psychoanalytiker nur so weit kommt, als seine eigenen Komplexe und inneren Widerstände es gestatten (…)”[12]. Freud verlangte zwar Selbstanalyse, ging in seinen wissenschaftlichen Überlegungen aber in ziemlich eitle Ausführungen über den “Zuwachs an Autorität” über, “der uns im Lauf der Zeit zufallen muss, Autorität mit der enormen von ihr ausgehenden Suggestion”. Er sprach von “psychischen Operationen”, die von der Gesellschaft punkto Heilung mit den “Wasser-, Diät- und elektrischen Kuren bei Nervösen” verglichen würden, und da werde sich zeigen, “ob die psychoanalytischen Behandlungen mehr zu leisten vermögen”.

Die Überlegungen Freuds stimmen mehr als nachdenklich, gerade im Zusammenhang der Verflechtung mit Jung, den er damals noch als “Kronprinzen” und “Nachfolger” zu stärken bezweckte, und mit der Patientin Sabina Spielrein, die, wie Cremerius feststellt, “auf dem Altar der Wissenschaft und der Machtpolitik als Opfer zurückblieb”[13], die gleichzeitig vor dem obersten “Meister” aus Wien den Zürcher “Meister” als Täter schützte, damit dieser nicht als “Schurke” seine Ehe und Karriere verliere, wie sie in einem Brief an Freud überlegte, die später C. G.  Jung gegenüber, nachdem sie 1913 auch Wien verlassen und in Moskau als Dozentin und Lehranalytikerin zu arbeiten begonnen hatte, eine Fortsetzung des Austauschs auf gedanklicher Ebene im Schreiben bedeutender Abhandlungen, Briefe etc. anbot.

Gewiss, die “Komplizenschaft” zwischen Freud und Jung zerbrach im gleichen Jahr, aus vielen Gründen, von Freud her, weil er an der “bona fides” von Jung zweifelte und dies am Münchener Kongress im September 1913 kundtat, was Jung als den “schwerwiegendsten Vorwurf” empfand, “den man gegen einen Menschen erheben kann”, wobei bei ihm eine rivalisierende Freistrampelei von der allwissenden Vaterfigur – auch mit antisemitischen Fusstritten –  miteinherging, eine Tatsache, die wiederum Freud verletzte. “Mein persönliches Verhältnis zu Ihrem germanischen Heros ist definitiv in die Brüche gegangen”, hatte Freud schon am 20. Januar 1913 an Sabina Spielrein   geschrieben[14]; und ca. eineinhalb Jahre später, am 12. Juni 1914, fügte er bei: “Ich wünsche Ihnen natürlich, dass es Ihnen gelingen möge, das infantile Ideal des germanischen Recken und Helden, an dem Ihre ganze Opposition gegen Milieu und Herkunft steckt, als Plunder beiseite zu schieben (…)”[15].

Sabine Spielrein fand ihre eigene Weise der Verarbeitung. Sie heiratete Pawel Scheftel, einen russisch-jüdischen Arzt, und hatte mit ihm zwei Töchter. Sie leistete bedeutende psychoanalytisch-therapeutische Arbeit, insbesondere mit Kindern und Frauen, und publizierte einige wissenschaftliche Untersuchungen. Als am 22. Juni 1941 Rostov am Don von den Nazis besetzt wurde, wurden Sabina Spielrein und ihre zwei Töchter mit den anderen jüdischen Menschen durch die Strassen getrieben und in der Synagoge erschossen.

Interessant wäre es, Freud zu fragen, warum er nicht schon gute zwanzig Jahre früher, bei der Übertragungs-Gegenübertragungsgeschichte von Bertha v. Pappenheim und Josef Breuer von 1895 (in der Fallgeschichte Anna O.), eine Warnglocke hatte hören können. Auch damals hatte er als “Berater” gewirkt, worauf die kollegiale Beziehung zu Breuer ebenfalls abbrach. Interessant wäre es auch, die Geschichte von Bertha v. Pappenheim und Breuer sowie jene von Sabine Spielrein und C.G. Jung mit der Fallgeschichte Hannah Arendt und Martin Heidegger zu vergleichen, als einer analogen Übertragungs-Gegenübertragungsgeschichte, wenngleich diese nicht im analytischen Rahmen, sondern in jenem von Lehrer und “Schülerin” geschah, in welcher jedoch auf sehr ähnliche Weise das moralische Regelsystem durch den “Meister” überschritten wurde, der ebenfalls nach einiger Zeit die junge Frau als “Verliererin” der “Schachpartie” stehen liess, analog zu Josef Breuer und C. G. Jung.

Auf diese Vergleiche einzugehen, fehlt die Zeit; es stellt sich in deren Zusammenhang jedoch eine weitere wichtige Fragen hinsichtlich der “Behandlungsratschläge”. Ist es nicht die hierarchische Macht  (gr.”hieros” – heilig, götterähnlich; “arche” – Herrschaft) des Therapeuten – des “Arztes”, auch der Ärztin und Therapeutin, die als eine narzisstische Attrappe auf kritische Weise zu hinterfragen ist, insbesondere da sie mit einer Funktion einhergeht, durch welche jede Art von Übertragung geweckt werden kann?[16] Dabei wirkt jedoch viel mehr mit als die von Freud und von vielen seiner Schüler immer wieder ins Zentrum gerückte Libido. Gewiss hat Eros, der aus der Verbindung der mütterlichen Penia (gr. “Bedürftigkeit”) mit dem väterlichen Poros (gr. “Wegefinder”) geschaffen wurde, wie Platon im “Symposion” die vorsokratische Mythologie überliefert, eine starke und vielseitige Prägung auf die menschliche Psyche. Es geht jedoch nach meiner Erfahrung beim geheimnisvollen psychischen Dialog, der als Übertragung und Gegenübertragung spürbar wird, zusätzlich um Teile der genetisch übertragenen Lasten von Generationen, die im Verborgenen weiterwirken, wie gleichzeitig um unterschiedliche persönliche Mangelerfahrungen im Zusammenhang von Grundbedürfnissen, deren Erfüllung übergangen wurde, nicht zugestanden wurde, überrollt, überbordet oder durch Missbrauch und Schein verdunkelt wurde.

 

Über die Grammatik des therapeutischen Dialogs

Um aus dem kritischen Mäander eine Brücke zur Beantwortung der offenen Fragen zu finden, möchte ich kurz noch auf einen frühen Vortrag Freuds eingehen, auf jenen “Über Psychotherapie”, den er am 12. Dezember 1904 vor dem Wiener medizinischen Doktorenkollegium gehalten hat. Freud äussert sich darin zwar auch schon als “Meister” im Wettkampf, geht jedoch mit Hilfe eines literarischen “Fallbeispiels” sehr klar auf den Ton resp. die Bedeutung des “seelischen Instruments” des leidenden Menschen ein. Er gibt zuerst seinem Unmut über “diesen und jenen Kollegen” Ausdruck, “welche Sprechstunden mit einem Patienten einrichten, um eine psychische Kur mit ihm zu machen, während ich sicher bin, dass er die Technik einer solchen Kur nicht kennt. Er muss also erwarten, dass ihm der Kranke seine Geheimnisse entgegenbringen wird, oder sucht das Heil in irgendeiner Art von Beichte oder Anvertrauen. Es würde mich nicht wundern, wenn der so behandelte Kranke dabei eher zu Schaden als zum Vorteil käme. Das seelische Instrument ist nämlich gar nicht leicht zu spielen. Ich muss bei solchen Anlässen an die Rede eines weltberühmten Neurotikers denken, der freilich nie in der Behandlung eines Arztes gestanden, der nur in der Phantasie eines Dichters gelebt hat. Ich meine den Prinzen Hamlet von Dänemark”[17].

 

II.1. “Das seelische Instrument”

“Hamlet” als literarisches “Fallbeispiel” ist eine gute Brücke. Freud verweist auf die Auseinandersetzung zwischen Hamlet und den zwei Adlaten des Königs, Rosenkranz und Güldenstern, die den Auftrag haben, Hamlet “das Geheimnis seiner Verstimmung zu entreissen” und zu diesem ‘Zweck’ Flöten hereintragen lassen[18]. Freud unterlässt es allerdings, auf die erste Reaktion Hamlets einzugehen, in welcher er seine Ahnung äussert, dass es sich dabei um eine Art Verführung handle. Ich will den Passus, der mir vom dialogischen Konzept her wichtig erscheint, kurz zitieren:

Hamlet: O die Flöten! Lasst mich eine sehn. – Um Euch insbesondere zu sprechen (nimmt Güldenstern beiseite): Weswegen geht Ihr um mich herum, um meine Witterung zu bekommen, als wolltet Ihr mich in ein Netz treiben?” (…) Wollt Ihr auf dieser Flöte spielen”?

Güldenstern: “Gnädiger Herr, ich kann nicht.”

Hamlet: “Es ist so leicht wie lügen. Regiert diese Windlöcher mit Euern Fingern und der Klappe, gebt der Flöte mit Euerm Mund Odem, und sie wird die beredetste Musik sprechen. Sehr ihr, dies sind die Griffe.

Güldenstern: “Aber die hab ich eben nicht in meiner Gewalt, um irgendeine Harmonie hervorzubringen; ich besitze die Kunst nicht”.

Hamlet’s Aufbegehren wird von Freud zitiert:

Hamlet: “Nun seht Ihr, welch ein nichtswürdiges Ding Ihr aus mir macht? Ihr wollt auf mir spielen; Ihr wollt in das Herz meines Geheimnisses eindringen; Ihr wollt mich von meiner tiefsten Note bis zum Gipfel meiner Stimme hinauf prüfen, und in diesem kleinen Instrument hier ist viel Musik, eine vortreffliche Stimme, dennoch könnt Ihr es nicht zum Spielen bringen. Wetter, denkt Ihr, dass ich leichter zu spielen bin als eine Flöte? Nennt mich was für ein Instrument Ihr wollt, Ihr könnt mich zwar verstimmen, aber nicht auf mir spielen”.

Hamlet gibt aufs klarste zu verstehen, dass er nicht den “Ton” seiner Seele preisgeben will, nachdem er spürt, dass die zwei Adlaten den eigenen Atem nicht zu regulieren verstehen, resp. das eigene “seelische Instrument” nicht spielen können. Es geht ihm nicht nur um die Feststellung, dass sie “die Technik der Kur” resp. des Spiels nicht kennen. Hamlet wehrt ab, zu deren “Zweck” benutzt zu werden. Seine Abwehr verweist auf  eine der klarsten Regeln, die zu beachten ist – jedoch auf welche?

 

2.2. Grammatikalische Regeln der Subjekt – Objektbeziehung

Gestützt auf Hamlet als “Fallbeispiel” möchte ich näher das Regelsystem vorstellen, das ich als Grammatik des therapeutischen Dialogs verstehe. Ich habe es im Lauf meiner analytisch-psychotraumatologischen Arbeit entwickelt; es gilt für jede Art von therapeutischer Beziehung, ob die Patienten/Patientinnen Erwachsene, Jugendliche oder Kinder seien.

Den Begriff “Grammatik” erachte ich als klärend. Sie wissen, dass mit dem griechischen Wort “grammatike” alles, was “Anfangsgründe, Anfangskenntnisse” der Sprache bedeutet, gemeint ist, d.h. alles, was das Regelsystem beinhaltet, durch welches das Sprechen, das Lesen wie das Schreiben Klarheit erlangt. Dank der Grammatik besteht die Möglichkeit mitzuteilen, was in der eigenen inneren Sprache von Bedeutung ist sowie zu deuten und zu verstehen, was in der gesprochenen Sprache der Zusammenhang der Worte, des Sprachrhythmus und des Tons sowie der Pausen, was andererseits in der geschriebenen Sprache das Neben- und Hintereinander der Schriftzeichen – der sprachlichen Graphik (“graphein” heisst ja “schreiben”, auch “einritzen”) – aussagt, gemäss der Gesamtheit der Regeln, die mit der Sprache als Möglichkeit der “Kommunikation” (lat. “communicatio““Verbindung“, “Verständigung“ und “Mit-teilen“) einhergehen.

Wesentlich ist dabei die Unterscheidbarkeit von Subjekt und Objekt. Das Subjekt ist es, nach welchem die aktive oder passive Form des Verbes sich ausrichtet und womit ein Objekt  – ob im Genitiv, Dativ, Akkusativ oder Ablativ –  in Verbindung steht, je nach der Praeposition, durch welche das Verhältnis zum Subjekt deutlich wird. Von entscheidender Bedeutung für den ganzen Satz ist immer das Subjekt, durch welches nicht nur das Verb resp. das Handeln bestimmt wird, sondern das Ordnungssystem des ganzen Satzes. Auch jedes Komma (“komma” auf gr. “Einschnitt, Abschnitt”, abgeleitet von “koptein” – “schlagen”) verdeutlicht die Art des Bezugs zum Subjekt, während der Punkt mit grosser Klarheit einen Unterbruch oder Abschnitt schafft (“pungere” auf lat. “stechen”, aus dem Zusammenhang der Schrift mit dem Griffel auf Wachstafeln oder mit dem Meissel auf Stein), sodass ein neuer Satz beginnen kann[19].

Hamlets Widerstand gegen die Attrappe der Macht, kraft welcher die Adlaten von ihm das Geheimnis seiner Niedergeschlagenheit erfahren wollen, macht ihn zum Subjekt. Hamlet gibt zu verstehen, dass  e r  die Art des Handelns – das Verb – bestimmen will, dass  e r  weder das Objekt des Königs noch das Objekt seiner Adlaten sein will. Er will nicht benutzt werden, will nicht der Neugier und nicht der Ruhmessucht Anderer ausgesetzt sein. Wie und wann er sich wem mitteilt, um sich von dem, was ihn belastet, zu entlasten, will er selber bestimmen. Auf jeden Fall setzt Hamlet voraus, dass die Person, der er sich anvertraut, das Instrument der inneren Sprache, der Psyche, in jeder Hinsicht kennt und zu deren “Übersetzung” in die Grammatik der Sprache fähig ist. Er kann nicht sein geheimes Inneres öffnen, wenn er nicht die Fähigkeit zur dialogischen Kommunikation voraussetzen kann. Er fordert, dass die “Auseinandersetzung” resp. der Dialog (“dia-logos” resp. “dia” – “auseinander” und “legesthai” –  sich unterreden resp. “legein” – sprechen) mit den unbewussten, geheimen Teilen der Psyche, die das Denken, die Empfindungen, die Beziehungsstruktur und das Handeln prägen, nicht auf vorgetäuschte Weise erfolgt; denn dergleichen zu tun sei “so leicht wie lügen” , wie er spöttisch bemerkt. Damit gibt er zu verstehen, dass er sich nicht in ein trügerisches Spiel zu einem ihm fremden Zweck einlassen will.

Die Grundregel der therapeutischen Grammatik, die dadurch vermittelt wird, heisst, dass ein Patient/eine Patientin in einer therapeutischen Beziehung nicht zum Objekt gemacht werden darf, nicht zum Objekt der Selbstanalyse des “Arztes”, auch nicht zum Objekt narzisstischer Befriedigung, wissenschaftlicher Forschung oder Karriere. Der Patient/die Patientin ist auf dialogische Weise das andere, ebenbürtige Subjekt in der therapeutischen Situation der Kommunikation mit dem Arzt/der Ärztin. Wird diese zentrale Regel beachtet, bewirkt sie eine spürbare Veränderung im Ich- und Selbstwert der Patientin/des Patienten, die/der durch vielfache Erfahrungen der traumatisierenden resp. verletzenden Objekthaftigkeit, der dabei erlebten Entwertung oder Erniedrigung, der mit Gefühlen der Ohnmacht verbundenen Ausgesetztheit sich in einen Kokon der Überlebensstrategie zurückziehen musste, mit vielfachen warnenden Zeichen des psychischen Leidens, häufig zusätzlich mit schwerwiegenden somatischen Folgen. Die spürbare Veränderung im Ich- und Selbstwert entwickelt sich durch das Erwachen, das Erstarken und die Erfahrung der Sicherheit als Subjekt, wodurch nicht nur der eigene Handlungsmodus als Gefühl der Freiheit sich umsetzt, sondern die Beziehung zum eigenen Ich als eine selbststärkende, selbstheilende Kraft erlebt wird. Die psychische, häufig auch die damit einhergehende körperliche Genesung wird möglich durch die spürbare Veränderung der sequentiellen Objekthaftigkeit in ein fürsorgliches, respekt- und liebevolles Verhältnis des Menschen zu sich selbst (resp. in ein Subjekt-Objektverhältnis des eigenen Ich zum eigenen Selbst).

 

3.3. Traumatisierungsfolgen aus der sequentiellen Objekthaftigkeit

Auf diese Grundregel möchte ich näher eingehen. Man muss sich bewusst sein, was seit der frühesten Kindheit an Objekterfahrungen das mit der Geburt geschaffene Subjektsein erschwert, verdunkelt oder lähmt. Sie wissen, dass, was von Freud als massgebliches “Trauma” (gemäss der griechischen Wortbedeutung “Wunde” resp. “Verletzung”) menschlichen Lebens bezeichnet wird, die Tatsache der Geburt selber ist[20]. Nach meiner Deutung wirkt sich in starkem Mass der dadurch erlebte Abbruch des pränatalen symbiotischen Dialogs von Kind und Mutter aus, sowohl der übereinstimmenden Grammatik von Herzrhythmus und Blutkreislauf wie des von der mütterlichen Psyche vermittelten Herztons. Mit dem eigenen Herzton, der vom Moment der Geburt an das Leben bestimmt, mit dem eigenen Atem und dem damit verbundenen eigenen Rhythmus der Sprache verbindet sich die Sehnsucht, einen persönlichen Dialog zu finden und als Subjekt verstanden zu werden, als Ausdruck des Hungers, der Wünsche und des Wohlbefindens, der Ängste und des Schmerzes, in allem der Empfindungen und allmählich der Erkenntnisse, immer im Bestreben, nicht abgewiesen, sondern in die Kommunikation aufgenommen zu werden.

Das Kind spürt, ob es in seiner Subjekthaftigkeit verstanden wird oder nicht, ob es in seiner persönlichen Besonderheit geachtet wird oder als “es” –  “das” Kind, das Ding – gilt, über welches verfügt wird. Sein Ich-Wert hängt davon ab, w i e  das grundlegende Bedürfnis, in der Besonderheit als Subjekt anerkannt und geliebt zu werden, erfüllt wird. Wenn die dialogische Grammatik von Mutter- und/oder Vaterseite her nicht stimmt[21], wenn das Kind ausschliesslich als Ding-Objekt gilt, entwickeln sich in ihm aus der Mangelerfahrung, aus der Angst oder aus der Sehnsucht Grundhaltungen des Überlebens, welche in der Folge jede Art von Beziehung und jede Art von Kommunikation prägen, mit starkem Einfluss auf die geschlechterspezifische Besonderheit und/oder Differenz.

Ein Beispiel ist der neunjährige Knabe, der zweite von vier Söhnen aus einer Ashkali-Familie, der mit sechs Jahren in seinem Heimatdorf im Zusammenhang der ethnizistischen Verfolgung, welche lange vorher schon zu kaum tragbaren Diskriminierungen und Ängsten geführt hatte, schwerste Gewalt durchstehen musste: Überfälle bewaffneter Männer mit verhüllten Gesichtern und bissigen Hunden mitten im Winter in der Nacht, die Tötung von Nachbarn, die wimmernde Hilflosigkeit von Vater und Mutter, auf welche mit Gewehrkolben geschlagen wurde, die Vertreibung aus dem brennenden Haus, die Flucht während Tagen durch Schnee und eisige Kälte zu Fuss in ein Nachbarland, aus welchem die Familie wieder durch die Polizei vertrieben wurde, immer die Forderung der Eltern an ihn, den klügsten der Kinder, tapfer zu sein, um die Mutter zu entlasten, still zu sein und sich um die zwei kleineren Brüder zu kümmern, schliesslich auch in der Schweiz still zu sein, wohin die zweite Flucht geführt hatte, während welcher der Knabe und sein älterer Bruder wie Ware im Gepäckraum eines Autos versteckt waren, wo zwar ein Asylgesuch gestellt wurde, aber keine Sicherheit gewährt wurde, sondern bei den Eltern ständig die gleiche Angst spürbar war. Auch da wurde von ihm verlangt, still zu sein, auch in der Nacht, wenn die Albträume ihn vor Todesangst aufschreien lassen, damit die Nachbarn sich nicht über die Flüchtlinge beschweren konnten. Seine leise, zögernd-stammelnde Stimme und sein Bestreben, jedes deutsche Wort genau zu finden, um in erster Linie die Mutter richtig zu übersetzen, seine Hemmung, über das Malen und Erzählen seiner eigenen inneren Welt Ausdruck zu geben, liessen verstehen, wie sehr die psychisch und existentiell schwer belasteten Eltern dieses Kind als Überlebensobjekt benutzten, eine Funktion, von welcher der ältere Bruder sich zu distanzieren vermochte. Von zentraler Bedeutung war in der Therapie, dem Knaben das Recht zu vermitteln, einen eigenen Ton in der “Übersetzung” seiner selbst, auch die eigenen inneren Farben zu finden und wiederzugeben, um seinen “privaten Kompass”, wie Anna Freud das geheime Regelsystem der Psyche bezeichnet, als seinen persönlichen inneren Halt entdecken und spüren zu können.

Die Tatsache der Abhängigkeit der Schwächeren von den Stärkeren, der Kinder von den Erwachsenen wird von diesen vielfach benutzt, um Mangelerfahrungen aus der eigenen Kindheit zu kompensieren. Dazu gehören u.a. die Forderungen des strikten Gehorsams und der Unterwerfung, des Verbots Fragen zu stellen und Widerstand zu zeigen, des Gebots zu schweigen. All dies führt zu einer Anhäufung innerer Mangelerfahrungen des Subjektwertes. Ich nehme an, dass es mit einer frühen “Überlebensstrategie” einzelner Kinder zusammenhängt, dass u.a. ein kokonhafter Narzissmus entwickelt wird (so beim älteren Bruder des im Fallbeispiel erwähnten Knaben). Im Erwachsenenleben spiegelt er sich in jeder Art von Kommunikation und von Beziehung wieder – auch in der therapeutischen –, u.a. mit dem Wunsch nach autoritärer Hierarchie. Freuds Entwurf des Schachspiels als Vorgabe therapeutischer “Meisterschaft” mag Ausdruck davon sein.

 

4.4. Praxis der therapeutischen Reziprozität

 Es geht bei diesen Überlegungen nicht um eine Infragestellung der vielseitigen menschlichen Abhängigkeit, im Gegenteil. Jedes Beziehungsgeflecht ist davon gekennzeichnet, in erster Linie das familiäre, entsprechend die späteren: immer von Gegenseitigkeit und Wechselseitigkeit. Die gegenseitige-wechselseitige Abhängigkeit, die das Menschsein prägt, ist gut erträglich und nicht missverständlich, wenn Objektsein und Subjektsein im Sinn der dialogischen Grammatik als “Reziprozität” verstanden wird: wenn das „Rückwärts“ (lat. „recus“) und das „Vorwärts“ (lat. „procus“) im Moment des Jetzt – des Augenblicks – in der Wechselseitigkeit beachtet wird. Wenn aus dem Moment des Jetzt nicht ein hierarchischer Status definiert wird. Das bedeutet, dass mit dem Handeln und Handelnkönnen das Ertragen oder Ertragenmüssen dessen, was die Folgen des Handelns sind, beachtet wird. Mit anderen Worten: dass die Machtposition des Subjekts, gemäss welcher die Art der Abhängigkeit des Objekts bestimmt wird, in der Umkehrbarkeit bewusst ist. Wer heute Arzt/Ärztin ist, kann morgen Patient/Patientin sein.

Es genügt allerdings nicht, dass die Regel der therapeutischen Grammatik in wissenschaftlicher Hinsicht einleuchtet; ihre Bedeutung erweist sich über die Praxis. Mit anderen Worten: die Qualität der therapeutischen Beziehung richtet sich nach der Art und Weise der Beachtung dieser Regel. Wird auch unter Bedingungen der Abhängigkeit die Subjekthaftigkeit eines Patienten/einer Patientin gemäss der dialogischen Reziprozität geachtet, so kann es gelingen, dass Folgen vorangegangener ausschliesslicher Objekterfahrung – als durch diese verursacht – erkannt und geheilt werden können. Dies gilt, ob das psychische Leiden sich aus dem Mangel an Beachtung der eigenen Besonderheit und Persönlichkeit zur narzisstischen Überlebensstrategie, zur misstrauischen Beziehungsabwehr und zur höhlenartigen Einsamkeit entwickelt hat; oder aus dem Ertragenmüssen von Machtmissbrauch, Entwertung und Ohnmacht zur masochistischen Unterwerfungshaltung oder zur kaum mehr kontrollierbaren Aggressivität, die sowohl Selbstverteidigung bedeuten kann wie fortgesetzte Rache; oder von Tabu-Geboten und Schweigenmüssen zur Flucht in religiöse oder andere Unterwerfungs- und Gehorsamshaltung oder in selbstgefährdende Extravertiertheit und Selbst-Blossstellung, eventuell zur Flucht in somatisches Leiden (Migräne, Schulter- und Rückenschmerzen, Magen- und Verdauungsprobleme bis Krebs u.v.a.m.) bis zur suizidalen Flucht; oder vom Mangel an realen Werten zur Flucht in Schein- und Ersatzrealität auf Grund des Nicht-Ertragenkönnens der eigenen Realität; oder von traumatisierenden Verlusterfahrungen – Tod, eventuell Suizid von nächststehenden Menschen – zu lähmenden Schuldgefühlen und zur Infragestellung des eigenen Ich-Wertes, Existenzrechts oder Lebenssinns.

 

III.  Zentrale Bedeutung der Grundbedürfnisse

Jede Art von Leiden ist – nach meiner Erfahrung – verknüpft mit Beziehungsstrukturen, sowohl mit schwer tragbaren genetischen Lasten wie mit durchgestandener Nichterfüllung von Grundbedürfnissen. Von zentraler Bedeutung ist das Grundbedürfnis nach Liebe und nach Sicherheit, beide zusammen nach Glück, sowie dasjenige nach Freiheit resp. nach Wahlmöglichkeiten zur Erkundung der eigenen Subjekthaftigkeit im Erkennen und Handeln. Letzteres wird zumeist vom Unbewussten her den beiden ersten untergeordnet. Ebenso geht es um die Fülle von Phantasien, von Wünschen und Sehnsüchten, die auf die Person des Therapeuten/der Therapeutin übertragen werden. Das eine und das andere ist in der Totalität der die menschliche Besonderheit prägenden Psyche mitenthalten.

 

III. 1. Rehabilitation als Subjekt

Bei Nichterfüllung der zwei ersten Grundbedürfnissen – Liebe und Sicherheit – erwacht in warnender Funktion die Angst. Steht dem Kind in der vielfältigen Objektabhängigkeit, in welcher es drin ist, nicht zu, sein Grundbedürfnis nach Freiheit umzusetzen, eventuell Widerstand deutlich zu machen, nein zu sagen oder generell sich als Subjekt verständlich zu machen und verstanden zu werden, so wird die Angst zur besetzenden, lähmenden inneren Gewalt, auch im Erwachsenenleben.

Ein Beispiel ist die 45jährige Naturwissenschaftlerin, die infolge schwerer körperlicher Leiden (starke Migräne, Schlafstörungen, Essprobleme etc.) seit ca. sechs Jahren nicht mehr in der Lage ist zu arbeiten. Seit dem 12. Altersjahr hat sie sich angewöhnt, so leise zu sprechen, dass sie sich selbst kaum hört. Als sie sich in einem Zustand kaum mehr tragbarer Erschöpfung endlich das Recht analytischer Therapie zugestand, schleppte sie am Anfang immer einen überschweren Rucksack mit sich. Was sie psychisch belastete, war eine ebenso schwere Last von Erniedrigung und Leiden, von Angst und von Schuldgefühlen, zusammengebündelt durch ein erstickendes Tabu im Zusammenhang  schwerster Missbrauchserfahrungen, die sie als weibliches Objekt in der Schar von Brüdern, die alle erstrangige Intellektuelle sind, von der frühen Kindheit bis ins Erwachsenenalter erlebt hatte.

Seit Jahrzehnten bestand ihre einzige Erfahrung als Subjekt darin, sich selber zum Objekt von Leiden zu machen. Massive Selbstverletzungen wie Verbrennungen mit Zigaretten und Dutzende von Glassplittern in der linken Fusssohle waren Belege.

Es war ein langes Einüben der dialogischen Kommunikation, das erfordert war. Das sorgfältige Zuhörenkönnen der Therapeutin – ein Hören mit dem “dritten Ohr” (wie Theodor Reik – Nietzsche zitierend – formuliert) – verband sich mit der von der Patientin gewünschten Position einander gegenüber, so dass nicht nur die Stimme, sondern auch die Sprache der Augen, resp. die Übersetzung der inneren Sprache durch den Blick in der Gegenübertragung eine dialogisch unterstützende Klarheit der Kommunikation bewirken konnte. Die jahrzehntelange Scham und das Gebot des Schweigens hatten bei der Patientin ein Ausmass an Angst und Selbstentwertung bewirkt, das einer sorgfältigen Kontrolle der Gegenübertragung bedurfte, damit nicht eine andere Art von Angst, Angst vor dem Ausmass an Verantwortung, den therapeutischen Dialog lähmte, auch nicht ablehnendes Entsetzen, Mitleid oder gar Verachtung, wie die Patientin am Ende einer Stunde scheu und zugleich mit Staunen fragte, warum die Therapeutin ihr gegenüber nicht solche Gefühle spüren lasse.

Die komplexe psychoanalytisch-traumatherapeutische Arbeit zu schildern, ist im heutigen Zeitrahmen nicht möglich. Von zentraler Bedeutung war die sich der Sprache entziehende, zeichnerische Verarbeitung der durch die Albträume sich offenbarenden, verdrängten Erfahrungen schwerster Gewalt, Ohnmacht und Einsamkeit. Die extremen Flash-backs lösten sich damit auf, und es ergab sich eine Verbesserung der erholenden Schlafmöglichkeit. In Verbindung mit der analytischen Psychotraumatologie kam es zu  existenzverändernden Massnahmen: zu einer neuen Wohnmöglichkeit in geographischer Distanz zu den belastenden Beziehungen sowie zu speziellen neurologischen und physiotherapeutischen Methoden der Schmerzbehandlung (Atemtherapie, chinesische Akkupunktur, Massage, ophthalmologische und orthopädische Behandlung etc.) anstelle einer Überdosierung von Medikamenten, welche Magenprobleme und Schwindelgefühle ausgelöst hatten

Die sorgfältige Kontrolle der Gegenübertragung sowie eine stete Achtung der reziproken Subjekthaftigkeit in der dialogischen Kommunikation – z. B. auch im Eingehen auf literarische Bedürfnisse, auf Kunst, auf die Freude am Witz etc. – ermöglichte eine erstaunliche Veränderung des Ich- und Selbstwertes, die sich im Ton der Sprache, im Gesichtsbild, in der Körperhaltung, ja in der gesamten Schmerzverminderung deutlich machte.

Bei einem weiteren Fallbeispiel handelt es sich um eine ganz andere Angstbesetztheit, auch um eine andere Art der Klärung der Subjekthaftigkeit.

Eine monoton fordernde Männerstimme hatte am Telephon um eine Stunde gebeten, jedoch verweigert, den Namen mitzuteilen. Am vereinbarten Termin fand sich pünktlich ein ca. 48jähriger Mann mit starrem Blick und harten Händen in der Praxis ein, welcher der Therapeutin einen Ordner voller Dokumente übergab und sie bat, diese sofort zu lesen. Er sass dabei bewegungslos auf einem Sessel der Therapeutin gegenüber. Diese wusste bald, dass er in seinem Herkunftsland, welches jahrzehntelang unter politisch-ethnizistischen Verfolgungen stand, Jura studiert hatte und angeblich, wie auch seine Frau und seine Kinder meinten, als Jurist bei der Polizei angestellt war, tatsächlich aber während Jahren mit verhülltem Gesicht, jedoch mit erkennbaren Augen, als Folterer Menschen seiner Volkszugehörigkeit peinigte und dadurch Aussagen zu erpressen suchte, zum Teil bis zum Tod. Angst besetzte ihn, von Überlebenden, die in die Schweiz geflohen waren, erkannt zu werden. Von seinen fünf Kindern war der sechsjährige Sohn ein halbes Jahre vorher von einem Auto überfahren worden. Mit der spürbaren Härte seiner über Jahre ausgeübten sadistischen Gewalt und seiner Angst vor Rache, die mit konstanter Schlaflosigkeit, mit Kopfschmerzen und Atembeschwerden sowie mit zunehmenden Wahnvorstellungen einherging, versuchte er, die Therapeutin unter Druck zu setzen. Diese wiederum spürte, dass sie in der Gegenübertragung weder verurteilend noch selber angstbesetzt sein durfte. So teilte sie ihm nach der ersten Stunde mit, sie wolle sich die Komplexität seiner Situation überlegen. Ob eine Therapie möglich sei, wisse sie noch nicht; sie verspreche ihm, die professionelle Schweigepflicht voll einzuhalten. In der nächsten Stunde gab sie ihm seine Dokumente zurück und sagte ihm mit Ruhe, die auch in ihrem Blick zum Ausdruck kam, dass sie ihn als Patienten nicht übernehmen könne. Er wisse offenbar, dass sie die Therapeutin von Folteropfern sei; das sei nicht vereinbar mit der Aufarbeitung seiner Geschichte. Sie verstehe seine Angst vor Rache, seine Todesangst. Doch er habe als Subjekt des Handelns in seiner Heimat Wahlmöglichkeiten gehabt, das sei auch heute so. Er habe die Möglichkeit, die Opfer um Verzeihung zu bitten, indem er sich selber der Anklage aussetze und die Untersuchung als Entlastung entgegennehme. Die Schweigepflicht gelte für sie weiter. Seinen Kindern wünsche sie Sicherheit, d.h. ein Leben, das nicht von steter Angst infolge der Unklarheit der Angst des Vaters geprägt sei. Sie gab ihm Namen und Adresse eines erfahrenen Anwaltes. Als er sich von ihr verabschiedete, hatte sein Blick die Starrheit verloren.

Die Fallbeispiele, die ich aufgeführt habe, mögen deutlich machen, dass dialogische Kommunikation in erster Linie dem Bedürfnis gerecht wird, mit Hilfe des “Instruments der inneren Sprache” zu klären, was mit dem psychischen und zumeist existentiellen Leiden zusammenhängt. Sie mögen auch deutlich machen, wie beim Patienten/ bei der Patientin über das persönliche Erkennen und Verstehen eine stärkende Zustimmung zum eigenen Ich in der ganzen Besonderheit der Herkunfts- und Entwicklungsgeschichte realisiert werden kann. Die therapeutische Verantwortung besteht in der “wissenden”, verlässlichen Begleitung des Patienten / der Patientin bei der Umsetzung der dialogischen Grammatik: wissend im eigentlichen Sinn von “dia-gnosis” (gr.”dia” – “durch und durch” und “gnosis” – “Wissen”), ob es sich infolge schwerer Mangelerfahrungen oder traumatischer Erlebnisse um eine Angstneurose, eine Zwangsneurose, eine Major Depression, um Sadismus, um eine Phobie, um ADS und Suchterkrankungen etc. etc. handle. Wird die “gnosis”  bloss vorgegeben, vergleichbar dem Vorwurf von Hamlet, kann die Entfaltung des verborgenen eigenen Wissens des Patienten/der Patientin und dessen/deren eigenen Heilungskräften kaum im Sinn des “privaten Kompass” geweckt und gestärkt werden. Widerstand und Abwehr oder Unterwerfung unter die hierarchische Autorität sind die Folge.

Die Übertragung der im Unbewussten des Patienten/der Patientin gespeicherten Empfindungen und Phantasien, welche durch die Person des Therapeuten/der Therapeutin, durch Haltung, Stimme und Blick, durch den Praxisraum, das Licht, die Art der Sitze, der Couch, der Bilder  etc. geweckt werden und spürbar sind, ebenso wie das, was dadurch beim Therapeuten/der Therapeutin an Empfindungen geweckt und als Gegenübertragung vermittelt wird, ist Teil der dialogischen Kommunikation. Das eine wie das andere wirkt sich als “Übersetzung” der im Unbewussten gespeicherten Prägungen in die vielen anderen Sprachen des Menschen aus: in jene des Nervensystems, des Blutkreislaufs und des Blutdrucks, der Muskulatur und der Körperhaltung (Verspannung, Unruhe der Glieder etc.), besonders in jene der Augen, die mit untrügerischer Aussagekraft die Empfindungen wiedergeben, in jene des “Tons” und der Vibration der Stimme, schliesslich in jene des Schweigens. Über die Vielzahl der von der Psyche auf die inneren Körperregister übersetzten Sprachen kommt beim Patienten/bei der Patientin die Übertragung zustande, als eine spürbare Mitteilung der im Verborgenen sich regenden Empfindungen und Bedürfnisse, auf welche die Gegenübertragung Antwort ist.

 

III. 2. “Selbstschau” – Selbstabgrenzung und Selbstzustimmung

Häufig ist die Flut von Übertragung schwer zu ertragen. Um die dialogische Kommunikation beizubehalten, bedarf es von Seiten des Therapeuten/der Therapeutin einer starken eigenen Ich-Sicherheit, damit die Gegenübertragung , bevor sie ausgelöst wird, gespürt und erkannt werden kann, damit sie auf die Ich-Sicherheit des Patienten/der Patientin stärkend, sichernd und heilend wirkt, im Sinn der Reziprozität, die zur Rehabilitation des mit der Subjekthaftigkeit verbundenen Selbstwertes führen kann.

Wichtige Aspekte dessen, was “Grammatik” beinhaltet, können hier nicht erwähnt werden, nicht die Bedeutung der Adjektive und Adverbien, gerade im Zusammenhang der Traumdeutung. Diese sollte nach meiner Erfahrung zuerst durch den Patienten/die Patientin selbst erfolgen, mit eigenen Übersetzungsmöglichkeiten und Assoziationen, von therapeutischer Seite her durch Aufmerksamkeit und durch das dialogische Fragen begleitet. Träume sind eine enorm wichtige psychoanalytisch-therapeutische Unterstützung des besseren Erkennens der Ursachen von Ängsten, auch der geheimen Wünsche und Sehnsüchte, die vom Unbewussten des Patienten/der Patientin im Sinn der Selbsthilfe angeboten werden. Sie ermöglichen eine Vertiefung und Klärung der inneren “Selbstschau”, der welche der Selbstwert in der Selbstbeziehung des leidenden Menschen, d.h. seine eigene Subjekt-Objektbeziehung sich im Sinn der Selbstzustimmung auf bedeutende Weise verstärken kann.

Ich möchte mit einem literarischen Fallbeispiel abschliessen, auf welches ich im Zusammenhang meiner Medea-Untersuchung eingegangen bin[22]. Es geht um Robert Walser, um diesen kindlich verträumten Dichter aus der Schweiz, der zur Zeit Franz Kafkas und Walter Benjamins[23], die ihn beide nicht nur gekannt, sondern in seiner Bedeutung erkannt haben, von Biel nach Berlin zog, während einiger Zeit Beachtung fand, dann immer mehr wegglitt. In seiner Besonderheit wurde er als “Geisteskranker” beurteilt und in die psychiatrische Klinik Waldau bei Bern, vier Jahre später in jene von Herisau in der Ostschweiz eingewiesen, wo er ca. zwanzig Jahre lang bis zu seinem Tod verblieb, wie ein stiller Überlebender seiner selbst. Vier Jahre vor der Überweisung in die Psychiatrie hielt er in einer poetischen Betrachtung unter dem Titel “Selbstschau” fest, was er mit diagnostischer Klarheit als wichtig erachtete. Einige Zeilen daraus:

” (…) Indem man mich nicht kennen wollt’, geriet ich auf die Kenntnis meiner selbst.

Wurde verständnisvoller, liebenswürd’ger Arzt zu mir.

(…) Jeder trägt seine Lebensbahn in allem mit sich, was an Eigenheiten, Geburt, Umständ’ zu Hause und die Schule ihm gegeben haben,

und Rettung braucht nur der, dem’s nicht gelang, sich nicht zu überheben.

Niemals hatte ein mit sich Einverstandener Hilfe nötig.

Falls ihm kein Unfall zustiess, dass man ins Spital ihn tragen musste.”

Den eigenen inneren Spuren nachgehen zu können, um sich selber zu verstehen –”verständnisvoll” zu verstehen -, erachtete Robert Walser als eine Aufgabe, die ihm in seiner inneren Subjekt-Objekt-Beziehung – in der Aufgabe sich selbst gegenüber – gestellt war und die er mit jener des Arztes gleichsetzte, im Sinn der urspünglichen, mittelhochdeutschen Bedeutung von “arzet”-“arzât”, die dem “heilkundigen Weisen” gleichkommt. Die “heilkundige Weisheit” schliesst die Akzeptanz der ganzen “Lebensbahn” ein, die Zustimmung zu den nicht-veränderbaren, herkunftsbedingten Besonderheiten und Prägungen wie zu jenen, die über das Lernen – die Schule – erfolgten. Dank dieser Weisheit bedarf es keiner weiteren Pflege, hält Robert Walser fest, ausser es geschehe ein verhängnisvolles “Fallen” – ein “Unfall” -, der die schützende Aufnahme an einem Ort der Gastfreundschaft (“Spital” – Hospital – lat. “hospes” – “Gast”, aber auch “Fremder”) nötig macht.

In sprachanalytischer Hinsicht vermag diese knappe poetische “Selbstschau”, die Robert Walser nicht nur mit dem selbstzustimmenden Verstehen der eigenen “Lebensbahn” verbindet, sondern auch mit der Dringlichkeit, dass dann, wenn ein leidvoller Zusammenhang bewirkt, dass ein Mensch sich nicht mehr als eigener “Arzt” genügen kann, sondern zum “Fremden” wird und “Hilfe” braucht, er “getragen” werde. Das heisst, dass ein Mensch, der ein “Fallen” erlebt hat, nicht der hierarchischen “Meisterschaft“, sondern der begleitenden Sorgfalt bedarf. Die Tatsache zu “fallen” und sich im eigenen Subjektwert der schutzbedürftigen Objekthaftigkeit bewusst zu werden, dadurch eines zusätzlichen, eines anderen “Arztes” bedürftig zu sein, kann bei jedem Menschen geschehen. (Ein Beispiel unter vielen ist Oskar Panizza, der zuerst Psychiater und dann Patient[24] war, auf den Walter Benjamin ebenfalls einging[25]). Die Art der Reziprozität, die durch die gleichzeitige Subjekthaftigkeit und Abhängigkeit in der Objekthaftigkeit deutlich wird, mag als Tatsache die ganze Grammatik der therapeutischen dialogischen Kommunikation näher bringen.

 

Ich möchte damit abschliessen, im Wissen um die Vorläufigkeit allen Wissens.

 

“Man hüte sich,

aus den Schranken und Unzulänglichkeiten des eigenen Denkens

Massstäbe zu schneiden für die Welt;

 

aus den Massstäben und Unzulänglichkeiten der Welt

Schranken zu zimmern fürs eigene Denken”[26].

 

Ich danke für Ihre Aufmerksamkeit und hoffe auf einen regen Diskurs.

 

 

 

  • Copyright: Dr. Maja Wicki, Philosophie-Psychoanalyse-Psychotraumatologie,  Bellerivestrasse 221,

CH –  8008   Zürich, Tel./ Fax  0041 1 383 01 44

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[1] Aus “An die Umzugsleute” von Ernst van Heerden, einem südafrikanischen Dichter (geb. 1916), übersetzt von Hans Günther Hirschberg, in: Der Rhythmus der Regens. Gedichte und Nachdichtungen. Pro Lyrica. Schaffhausen 1999. S. 164-165

[2] Helmut Thomä, Prof. in Ulm (wie Herr Kächele), gibt davon einen hervorragenden Überblick im Sonderheft 9/10 1999 von “Psyche”.

[3] Hilde Domin. Hier. Gedichte. Frankfurt a.M. 1964

[4] Sigmund Freud. Zur Einleitung der Behandlung. Weitere Ratschläge zur Technik der Psychoanalyse I (1913). In: Schriften zur Behandlungstechnik. Ergänzungsband.  S. Fischer Verlag, Frankfurt a. M. 1975. S. 183

[5] Noch ca. zwanzig Jahre später, 1932, als Freud wegen der bedrängten finanziellen Lage des Psychoanalytischen Verlags in Wien beschloss, zu Gunsten des Verlags eine Neue Folge der Vorlesungen zur Einführung in die Psychoanalyse zu veröffentlichen, hielt er in der 32. Vorlesung über “Angst und Triebleben” am militärähnlichen, strategischen Modell des Denkens fest. Es ging Freud dabei um die Erklärung der Verdrängung von Triebregungen durch den “Automatismus des Lust-Unlust-Prinzips”, den er mit dem bewussten, durchschaubaren Prozess des Denkens in Hinblick auf zu erwartende Gefahren und Schutzmechanismen verband. Dies mag im Zusammenhang der Auseinandersetzung mit Angstneurosen tatsächlich von Nutzen sein, doch trifft dies auch für das Verhalten des Therapeuten dem Patienten/der Patientin gegenüber zu?

[6] Sigmund Freud. Schriften zur Behandlungstechnik. Die zukünftigen Chancen der psychoanalytischen Therapie. S. Fischer Verlag, Frankfurt a. M. 1975. S. 121-132. In diesem Vortrag anlässlich des Zweiten Internationalen Psychoanalytischen Kongresses von Nürnberg vom 30./31 März 1910 gab Freud sehr offen den Stolz über sich selbst preis, in einem Ausmass narzisstischer Eitelkeit, die nachzulesen peinlich ist.

[7] Tilmann Moser.  Der Psychoanalytiker als Attrappe. Eine Streitschrift. Edition Suhrkamp 1404. Frankfurt a. M. 1987. S. 7. Darin geht es sowohl um die Freudianerin Joyce McDougall wie gleichzeitig um ihn selbst und um Freud, letztlich in allem um die Zusammenhänge und Folgen des therapeutischen Regelverhaltens.

[8]Tagebuch einer heimlichen Symmetrie. Sabina Spielreich zwischen Jung und Freud. Hg. von Aldo Carotenuto. Vorwort von Johannes Cremerius. Verlag Kore, Freiburg i. Br. 1986. S. 9

[9] a.a.O. (2) S. 10

[10] a.a.O. (2) S. 21-22 ; Briefwechsel Freud – Jung  S. 254-55: betr. Freuds Brief vom 7. Juni 1909 an Jung, wo notiert hatte: dass auch der Analytiker “von der Liebe, mit der wir operieren, versengt werden kann, das sind unsere Berufsgefahren”...Dann fügte er bei: “Solche Erfahrungen, wenngleich schmerzlich, sind notwendig und schwer zu ersparen. Erst dann kennt man das Leben und die Sache, die man in der Hand hat. Ich selbst bin zwar nicht ganz so hereingefallen, aber ich war einige Male sehr nahe daran und hatte a narrow escape… Es schadet aber nichts. Es wächst einem so die nötige harte Haut, man wird der ‘Gegenübertragung’ Herr, in die man doch jedes Mal versetzt wird, und lernt, seine eigenen Affekte verschieben und zweckmässig platzieren. Es ist ‘a blessing in disguise’ ( Glück im Unglück)”

[11] a.a.O. (1) S. 183

[12] Sigmund Freud. Schriften zur Behandlungstechnik. Die zukünftigen Chancen der psychoanalytischen Therapie (1910). S. Fischer Verlag, Frankfurt a.M. 1975. S. 126

[13] a.a.O. (2) S. 11

[14] a.a.O. (2) S. 27

[15] ibid.

[16] Dass “narzisstischer Missbrauch” bei Psychotherapeuten als “Missbrauch  in erster Linie” vorkommt, wird von Léon Wurmser oft untersucht, wird auch von Theo Piegler in seiner jüngsten Untersuchung festgehalten, in: Macht, Ohnmacht und Machtmissbrauch in psychotherapeutischen Beziehungen. Psychotherapie Forum, Vol.11, No.3, 2003. S. 111.c

[17] Sigmund Freud. Schriften zur Behandlungstechnik und Ergänzungsband. Über Psychotherapie (1951904). S. Fischer Verlag, Frankfurt a. M. 1975. S. 113

[18] Hamlet, III. Akt, 2. Szene

[19] Damit möchte ich deutlich machen, dass ich mit der Klärung der grammatikalischen Regeln im Verhältnis von Subjekt und Objekt in der therapeutischen Beziehung nicht dasselbe meine, wie mit dem Subjektivismus angestrebt wird.

[20] von Mohammed Masud R. Khan im Zusammenhang des “kumulativen Traumas” entwickelt, s. M.M.R.Khan. Das kumulative Trauma. In: Selbsterfahrung in der Therapie. Erlag Dietmar Klotz, Frankfurt a.M. 1997. S. 50 ff

[21] in der Triangulationstheorie insbesondere von M. Cavell thematisiert.

[22] Maja Wicki. Wie steht es mit dem Herzen der “herzlosen” Medea? Über das Verhängnis von Rache und über Möglichkeiten der Korrektur von Leiden. In: Realismus der Utopie. Hrsg. Ueli Mäder und Hans Saner. Rotpunktverlag. Zürich 2003. S. 331-370.

[23] Walter Benjamin. Gesammelte Schriften Bd. II-1. Suhrkamp Verlag Frnakfurt a. M. 1977. Literarische und ästhetische Essays, S. 324 ff.

[24] Jürgen Müller. Der Pazjent als Psychiater. Oskar Panizzas Weg vom Irrenarzt zum Insassen. Edition –das Narrenschiff im Psychiatrie-Verlag, Bonn 1999.

[25] Walter Benjamin. Gesammelte Schriften Bd. II-2. Suhrkamp Verlag Frankfurt a. M. 1977, S. 641 ff

[26] Hans Günther Hirschberg. Masstäbe. Gedichte und Nachdichtungen aus fremden Sprachen. Pro Lyrica, Schaffhausen 1999. S. 145

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