Von Frauenhand – Eröffnung der Ausstellung in Hombrechtikon am 15. November 2014

Von Frauenhand

Eröffnung der Ausstellung in Hombrechtikon am 15. November 2014

 

Es bedeutet mir eine Freude und eine Ehre, hier in Hombrechtikon Gast zu sein, in einem Kreis vielseitig begabter Frauen aus einem grossen Teil der Welt, und zur Eröffnung deren Ausstellung ein paar Worte beitragen zu dürfen.  Ich möchte Christine Barraud Wiener, meiner lieben Freundin, aufs herzlichste für die Einladung danken. Noch  ganz wach ist in mir die Erinnerung an die zwei berührenden Konzertabende  – zuerst in der kleinen Klosterkirche von Rapperswil, dann in der eindrücklichen Dorfkirche von Hombrechtikon -, als ich den Klängen und Lauten der Wiegenlieder zuhören durfte, diesen Liedern aus dem Kontinent der Kindheit, mit den Erinnerungen an Grossmütter und Mütter, all den kostbaren, liebevollen, auch traurigen Klangerinnerungen aus den eigenen und den vielen anderen Kulturen, die sich hier zusammenfinden.

Und nun habe ich das Glück, erneut Ihre Stimmen zu hören sowie das Werk Ihrer Hände vor mir zu sehen, voller Staunen die Vielfalt und Besonderheit Ihrer Werke aufnehmen zu können, auf der Flöte gespielte Werke, geschriebene, dichterische Werke, malerische Bildwerke, genähte, gehäkelte, gestrickte, gestickte, verknotete, geschmückte, gekochte, gebackene Werke, lauter kunstvolle Werke, die in langen Stunden im Zusammenwirken von Kopf, Herz und Hand – von Frauenhand – entstanden sind!

Welch wunderbare Instrumente sind die Hände, die zehn Finger, über die wir seit der frühen Kindheit verfügen, vom kleinen, feinsten über die längeren, kräftigeren bis zum Daumen, der die vier übrigen Finger unterstützten kann, wunderbare Instrumente mit dem feinsten nervlichen Sensorium für alles, was wir berühren und erspüren, halten und loslassen, für das Zarteste und Feinste wie für das Rauhe und Schwere, für alle Variationen im Umsetzen von Gefühlen, von schöpferischen Impulsen, von zärtlichen Bedürfnissen und von Lust, oder von Pflichten und Sorgen, im Aufnehmen von Wärme und Kälte. Wie kostbar und  wie persönlich ist jede Hand, die linke und die rechte Hand, sehr verschieden die eine von der anderen, die Handflächen mit ihren Zeichnungen und Linien, wie fein gepolsterte Schalen, die gemeinsam mit den fünf Fingern über kleinste Zeichen bis zu kräftigen Bewegungen zu jeder Art von Sprache fähig sind, von Aussage, von Mitteilung und von Werk, herzlich, zärtlich und liebevoll,  schalkhaft und verspielt, tröstend und haltend, ernst zustimmend und beteuernd, sorgfältig streng oder abwehrend bis drohend. Und ebenso kostbar und unverwechselbar sind die zwei Handrücken mit allen Spuren des gelebten Lebens, mit den Flecken und Narben der persönlichen Geschichte!

Liebevoll und dankbar betrachten wir die eigenen Hände und jede andere Hand, dann voll Bewunderung die kunstvollen Werke, die hier ausgestellt sind. Alles, was wir über unsere Sinne aufnehmen können, wurde vorbereitet, bewirkt und geschaffen – von Frauenhand!

Von ganzem Herzen meine Bewunderung und meinen Dank, meine vielfache Gratulation und meine guten Wünsche!

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